Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Donnerstag, 31. Juli 2008

Dill und Gurken


Bild: Cumin und Dill in einem Arabischen Medizinführer aus dem Jahre 1334, (wikicommons.org)

Dill und Gurken

(nach einem russischen Sprichwort)


Kein Wasser ist so still,

Wie das der größten Schurken.

Der eine klaut den Dill,

Der andere die Gurken.


Verantwortung




Bild: Helmut Kolle, Selbstbildnis als Trinker, 1925/26, (zeno.org)

Verantwortung

Wenn ich in deine Augen sehe,
Dann kann es sein, dass ich verstehe,
Vielleicht auch nicht.

Und vorm Gesicht

Trägst du als Maske meine Schwäche.
Es heißt der letzte zahlt die Zeche,
Du zahlst sie nicht.

Ich hör dir zu, das ist genug
Und fühle deinen Selbstbetrug.
Wozu jetzt Licht?

Du hast es so lang ausprobiert,
Dass mein Verstehen auch erfriert.

Das trag ich nicht.

Mittwoch, 30. Juli 2008

Kommen


Bild: Edouard Manet, Der Philosoph mit der ausgestreckten Hand, 1864-67, (wikicommons.org)

Kommen


Vollkommen

Verkommen

Ankommen.


Herausbekommen

Einkommen

Auskommen.


Reinkommen

Willkommen

Unterkommen

Nachhausekommen.


Vorkommen.



Gelassenheit


Bild: Paul Cézanne, Mühle am Fluss, 1900 - 1906, (zeno.org)


Gelassenheit

Auf dem Fluss
Einfach nur so dahin treiben. -
Niemand weiß
Wo der Fluss mündet.

Den Weg
Nur so entlang schlendern. –
Irgendwann ankommen.

Eins sein
Mit Fluss, Weg und Ziel.

Mondlaunen


Bild: Caspar David Friedrich, Mann und Frau den Mond betrachtend, 1830-35, (zeno.org)

Mondlaunen


Warum geht der Mond denn unter?

Mag er Sommerregen nicht?

Oder ängstigt ihn mitunter,

Man schreibt von ihm ein Gedicht?


Ach, der Mond geht auf und unter,

Wie ´s ihm passt, wie ´s ihm gefällt.

Irgendwann fällt er herunter,

Dann ist Schluss mit dieser Welt.


Aber nein, er fällt nicht runter,

Jagt um unsre Erde rum.

Dabei geht er auf und unter

Und das macht er - still und stumm.


Dienstag, 29. Juli 2008

Venedig - nicht im Urlaub


Bild: Pietro Longhi, Die Verkäuferin der Essenzen (im venezianischen Karneval), um 1756, (wikicommons.org)

Venedig - nicht im Urlaub


Den Untergang als Spaßprogramm,

Die Werte nur als Warengut? -

Die ganze Welt braucht einen Damm,

Nicht nur Venedig, vor der Flut!


Hier, jetzt bin ich, und frage nach,

Nach Schuld und Sühne, nach Gewissen.

Und weil fast jeder Damm schon brach,

Hab ich ´s dem Märchenreich entrissen:


Ich bitte dich nicht um Geduld,

Doch denke an die Phantasie,

Versteck dich nicht in einer Schuld

Und lebe Lyrik, Poesie.


Kennst du die Masken von Venedig,

Morbider Charme der Dekadenz,

Von jedem echten Inhalt ledig?

Und trotzdem: Welche Konsequenz!


Montag, 28. Juli 2008

Die Hände in Unschuld waschen


Bild: Nikolaj Nikolajewitsch Ge, Was ist Wahrheit? (Christus und Pilatus), 1890, (zeno.org)

Die Hände in Unschuld waschen


Es drückt mich das Gewissen nicht,

Ich habe nämlich keines.

Drum sage ich euch ins Gesicht,

Was nicht ist, ist ein reines.


Die saubren Hände wasch ich mir,

Gleich nach dem trockenreiben.

Ich kehre vor der eignen Tür,

Das heißt, ich lass es bleiben.


Kommentargedicht von Gabriele Brunsch:


Du hast ein weißes Licht entfacht,

das alles rein und heller macht,

da dichte ich doch gleich hinein,

damit er strahlt, der kleine Reim.


Du sagst, Gewissen hast du nicht?

Ach, Paul, was soll ich dazu sagen,

da muss ich mein Gewissen fragen,

sag ich es, oder besser nicht?


Denn rüg ich dich, du Übermann,

dann trägst du mir das nach,

und mich plagt mein Gewissen dann

wie sag ich's denn nur, ach...


Ohne Gewissen, welch ein Satz,

die Welt wär nur noch schlecht,

denn das Gewissen regelt doch,

mahnt an was falsch und recht.


Das weißt du, weiß ich, ich versteh,

du wolltest das nicht sagen,

drum will ich jetzt mit diesem Reim

nach dem Motiv dich fragen:


dazu siehe das Gedicht: Sanftes Ruhekissen




Begrenztheit


Bild: Rembrandt Harmenszoon van Rijn, Der Philosoph, 1633, (wikicommons.org)

Begrenztheit


Du sprichst mit Sartre und Camus,

Vielleicht auch andern Existenzen,

Und merkst sehr bald, trotz aller Müh`,

Es gibt auch für das Denken Grenzen.


Die Welt ist gut! Die Welt ist schlecht!

Such dir nur aus, was dir gefällt.

Du hast mit nichts und allem recht,

Nur eins ist klar, sie IST, die Welt.


Sonntag, 27. Juli 2008

Sommernachmittag


Bild: Gustav Klimt, Garten mit Sonnenblumen auf dem Lande, 1905/06, (wikicommons.org)

Sommernachmittag


Im Schatten unter hohen Bäumen

Verfliegt der Sommernachmittag.

Ich liebe es einfach zu träumen,

Nur ab und zu ein Flügelschlag.


Ich mag das Sonnenblumenscheinen,

Und auch den wilden, roten Mohn.

Die Farben, die den Sommer meinen,

Sind mir die Märchenillusion.


Am Todestag von ...


Bild: Egon Schiele, Der Tod und die Frau, 1915, (zeno.org)

Am Todestag von …


Es ist so heiß, die Sonne brennt,

Vergebt mir meine Klage.

Das was man eine Ahnung nennt,

Und mich vom heißen Sommer trennt,

Ist eine alte Frage.


Die Vögel brüten längst nicht mehr,

Sie füttern ihre Jungen.

Es ist mir wie von ungefähr

Mit einem Mal das Herz so schwer,

Von Trauer tief durchdrungen.


Jetzt sind die Blätter saftig grün,

Bald sind sie feuerrot.

Die Blumen, die so kräftig blühn,

Die Wolken, die von Westen ziehn

Erahnen alten Tod.


Samstag, 26. Juli 2008

Schnitzel


Bild: Schnitzelteller (wikicommons.org)

Schnitzel

Wo die Deutschen sich befinden
Gibt ´s panierte Schweineschnitzel.
Und kein Chefkoch wird sich schinden
Für `nen bessern Gaumenkitzel.


Jeans kaputt


Bild: Hans Baluschek, Vagabunden, 1921, (zeno.org)

Jeans kaputt

Nun sind die Blue Jeans auch noch hin,

Ich hab sie durchgesessen.

Dass ich zehn Jahre älter bin,

Das hab ich wohl vergessen.


Jetzt müssen ein paar neue her,

Wie soll ich die bloß kaufen?

So ohne Geld ist das sehr schwer,

Doch soll ich nackt rum laufen?


Ich hol mir einen alten Flicken,

Den näh ich hinten drauf,

Lass mir von dir ein Herz drauf sticken,

Bevor ich eine kauf.


Freitag, 25. Juli 2008

Spaßgesellschaft


Bild: Auguste Léveque, Bacchanalia, um 1900, (wikicommons.org)

Spaßgesellschaft


Alle hasten, jeder rennt,

Jeden Tag gibt ´s ein „Event“.

Angst? Probleme? – Runterschlucken!

Fröhlich sein und Fernsehgucken.


Immer lustig und vergnügt?

Aber jeder sieht man lügt

Sich in seine eigne Tasche.

Freudenfeuer? - Nein, nur Asche.


Beim Geräusch des Rasenmähers


Bild: Iwan Iwanowitsch Schischkin, Gräser - studie, 1892, (zeno.org)

Beim Geräusch des Rasenmähers


Die wilden, reifen Sommerwiesen

Kann ich mit voller Lust genießen,

Und darum werd ich nie verstehen,

Dass Menschen einen Rasen säen.


Den darf man erstens nicht betreten,

Und zweitens muss man Unkraut jäten.

Dazu hört man von früh bis spät,

Dass irgendjemand Rasen mäht.


Ich hass den Rasen und sein Bild,

Die Wiesen mag ich frei und wild.


Gegen Morgen am Teich


Bild: Caspar David Friedrich, Schwäne im Schilf beim ersten Morgenrot, um 1832, (zeno.org)

Gegen Morgen am Teich


Roter Mohn schläft

Weit entfernt und dort

Neigt sich das Korn schwer.

Hinter mir

In der Nacht

Hängt noch ein Gewitter.

Schilf knistert

In der Windstille.

Ratlos

Höre ich dem Zirpen der Grillen zu.

Drüben

Folgt die Dämmerung.


Donnerstag, 24. Juli 2008

Amselbesuch


Bild: Carl Spitzweg, Ein Besuch, um 1855, (wikicommons.org)

Amselbesuch


Die Amsel kommt zu mir ganz frech,

Sie möchte mich besuchen.

Sie sitzt dort auf dem Fensterblech.

Will sie ein Stück vom Kuchen?


Bekam ihn grade erst geschenkt,

Gern will ich mit ihr teilen.

Gesagt, getan, doch eh man ´s denkt,

Will sie nicht mehr verweilen.


Den Kuchen hat sie heut versäumt,

Hat andere Interessen.

So wie der Mensch vom Kuchen träumt,

Träumt sie vom Würmerfressen.


Erinnerung an ein Lagerfeuer


Bild: Jan Toorop, Die Drei Bräute, 1893, (wikicommons.org)

Erinnerung an ein Lagerfeuer


Das Lagerfeuer brannte schwer,

Das Holz war nass und rauchte.

Und trotzdem klang die alte Mär,

Genau so wie ich ´s brauchte.


Die Elfen tanzten durch den Rauch,

Erzählten sich Geschichten,

Und ihre Lieder klangen auch.

Die soll ich nicht berichten.


Tief unter einem alten Baum,

Wo mich der Regen mied,

Dort fand ich dann genügend Raum,

Und lauschte jenem Lied.


Die Märchen werden niemals alt,

Ich werd sie immer lieben. -

Das Feuer einst im nassen Wald

Ist mir im Herz geblieben.


Mittwoch, 23. Juli 2008

An mich selbst


Bild: Leon Francois Comerre, Haifa, undatiert (19. Jh.), (wikicommons.org)

An mich selbst


Ob wir träumen oder wachen,

Was wir tun und was wir machen,

(Und da gibt es viele Sachen!)

Wird nicht gehen ohne Lachen.


Flüstern im Spiegel


Bild: Georges de La Tour, Büßende Maria Magdalena, Detail, zwischen 1625 und 1650, (zeno.org)

Flüstern im Spiegel


Der warme Atem deines Flüsterns

Macht mich heiser.

Sprich nicht mehr. Erklär

Es nicht.

Die frühe Sonne bricht

Sich rot in deinen Haaren

Und

Auf dem Grunde deiner Augen,

Hinter den glitzernden Sternen,

Finde ich

Mein Spiegelbild.


Die Sterne sind verlöscht,

Du sprichst nicht mehr.

Der Spiegel brach,

Wie deine Augen.

Die tiefe Sonne bricht

Sich rot in deinen Haaren.

So flüstere doch!


Verhängt den Spiegel nicht,

Ich will

Die Seele soll noch bleiben.


Dienstag, 22. Juli 2008

Bei einer Wanderung - Der Ziegelstein


Bild: Joos van Craesbeeck (zugeschrieben), Die Wanderrast, 17. Jh., (wikicommons.org)

Bei einer Wanderung - Der Ziegelstein


Ein Ziegelstein aus alter Zeit

Allein auf weiter Flur,

Von andern Ziegeln weit und breit

Nicht die geringste Spur.


Ich frage mich wieso, warum

Kam dieser Stein hierher.

Natürlich bleibt der Ziegel stumm,

Drum frag ich ihn nicht mehr.


Jetzt fallen mir Geschichten ein -

Ich gönne mir ein Päuschen -

Und baue mit dem Ziegelstein

Für mich ein ganzes Häuschen.


Kindheitstrauma Entwöhnung


Bild: Der Bilderhändler, anonym, 19. Jh., wikicommons.org)

Kindheitstrauma Entwöhnung


Als ich auf die Erde kam

Habe ich sofort gewusst,

Dass ich ohne jede Scham

Saugen darf an Mutters Brust.


Ich begriff, dass ich es bin,

Dem die Möpse jetzt gehören;

Und bei meinem Lustgewinn

Lies ich mich von niemand stören.


Später hat man mich gelehrt,

Meine Lüste zu verbergen.

Traurig hab ich mich beschwert -

Bei Schneewittchen und den Zwergen.


Montag, 21. Juli 2008

Schweigen


Bild: Pierre-Auguste Renoir, In den Wäldern, ca. 1880, (wikicommons.org)

Schweigen


Müde vom Wollen

Beschweige ich meinen Wald,

Höre dann das Wispern der Eichbäume,

Das Raunen der Buchen,

Und das tänzelnde Flüstern der Birken. –

Und wieder

Haben wir ein Lied gefunden.

Ein schweigendes.