Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Montag, 31. August 2009

Seelenverwöhnung


Bild: Edward Matthew Hale, Psyche vor dem Thron der Venus, 1883, (wikicommons.org)

Seelenverwöhnung


Die Seele will ich mit viel Lust

Verwöhnen und belohnen.

Das mach ich heiter, ganz bewusst,

Sie soll ja in mir wohnen.


Und wenn ich ihr Gedichte schreib,

Soll sie sich wieder finden,

Drum will ich sie und auch den Leib

Nicht quälen oder schinden.


Der Seele mal ich auch ein Bild,

Dann hat sie was zum Schauen;

Ich zähm sie nicht, ich mag sie wild -

Und schenke ihr Vertrauen.


Sonntag, 30. August 2009

Paradies-Tango


Bild: Gustav Klimt, Adam und Eva, 1917/18, (wikicommons.org)

Paradies-Tango


Sie reicht den sauren Apfel ihm,

(Es gab noch keine süßen,)

Und danach wurden sie intim.

Wie mussten sie das büßen!


Sie flogen aus dem Paradies,

Denn Äpfel waren nicht erlaubt;

Die Schlange hat ihn überdies

Von irgendjemand abgestaubt.


Jetzt wussten sie, und das ist Fakt,

Es kann sie keiner leiden;

Sie waren außerdem ganz nackt,

Und mussten sich erst kleiden.


Es hat der HErr die Menschen wohl

Zu seiner Lust geschaffen;

Er war schon immer leicht frivol,

Jetzt hat er was zum Gaffen.


Samstag, 29. August 2009

Die Rast des Schmetterlings


Bild: Dante Gabriel Rossetti, Venus Verticordia, 1868, (wikicommons.org)

Die Rast des Schmetterlings


Der Schmetterling war nicht sehr groß,

Er saß am Glase, auf dem Rand,

Saß einfach da, flog nicht mehr los,

Und ich, ich hatte einen Brand.


Wie kann ich denn mein Wasser trinken,

Wenn diese Tierchen jetzt nicht fliegt?

Ich ließ die Hand gleich wieder sinken,

Damit es keinen Schrecken kriegt.


Ich musste fünf Minuten warten,

Dann flog das kleine Wesen weiter,

Und saß ich ganz allein im Garten,

Doch meine Seele, die war heiter.


Meine Freundin


Bild: Jan Matsys, Flora, 1559, (wikicommons.org)

Meine Freundin


Sie wechselt so schnell ihre Laune,

Dass ich daneben steh und staune,

Und bleibt doch stets die gleiche.

Ich bin ein kleiner Teil von ihr,

Und ob ich schwitze oder frier’:

Sie mag mich auch als Leiche.


(Ich denke dabei aber nur

An meine Freundin, die Natur.)


Freitag, 28. August 2009

Spätsommer mit Schweinegrippe – (Boshaftigkeiten 9)


Bild: Lovis Corinth, Schweinepfuhl, 1900, (wikicommons.org)

Spätsommer mit Schweinegrippe – (Boshaftigkeiten 9)


Der Sommer startet in die letzten Runden,

Von Bäumen fallen Pflaumen für Insekten.

Das abgemähte Feld leckt seine Wunden,

Wer weiß wie viele Hasen darin steckten.


Für Schweine ist der Sommer auch nicht cool,

Die Menschen wollen ihnen an den Kragen;

Dann ist es Essig mit dem Schweinepfuhl,

Und kleingehackt geht ´s in den Einkaufswagen.


Wir warten ganz gespannt auf einen Schnupfen,

So wie der Präsident aufs Attentat.

Der Himmel ist schon bleich mit blauen Tupfen,

Wer weiß, ob er nicht längst die Schweinegrippe hat.


Donnerstag, 27. August 2009

Das Liedchen


Bild: Jules Breton, Das Lied der Lerche, 1884, (wikicommons.org)

Das Liedchen


Ich hatte mir ein Lied gemacht,

Vielleicht ist es gelungen,

Hab ja dafür ich die ganze Nacht

In meiner Welt gerungen.


Ich hab das Lied zu dir gebracht,

Du hast es leis geraunt,

Dass mir das Herz im Leibe lacht,

Und meine Muse staunt.


Jetzt ist das Liedchen einfach da

Und führt sein Eigenleben.

Auch ich weiß nicht mehr, wie ´s geschah,

Und wer mir ´s eingegeben.


Mittwoch, 26. August 2009

Waffenhändler - (Die kleine Kriegsfibel 13)


Bild: Francisco de Goya y Lucientes, Allegorie des Krieges, um 1825, (wikicommons.org)

Waffenhändler - (Die kleine Kriegsfibel 13)

Karlheinz Schreiber ist wieder im Lande


Sie sind mitten unter uns,

Kennen aber kein Erbarmen,

Handeln auch mit Hinz und Kunz, -

Und mit Waffen für die Armen.


Massenmörder sind im Lande,

Wohnen friedlich in den Villen,

Und sie zeigen unsre Schande,

Handeln heimlich und im Stillen.


Sie verkaufen ihre Waffen

Ohne Skrupel und Gewissen,

Denken nur ans Geld und Raffen,

Sind ganz hemmungslos, gerissen.


Und das Morden nimmt kein Ende,

Immer wieder Leid und Tod.

Blutig sind so viele Hände,

Schaffen keinem Menschen Brot.


Es wird Zeit sie zu verjagen!

Hört ihr wie die Bombe tickt?

Waffenhandel, lasst ´s euch sagen,

Ist kein Kavaliersdelikt!


Dienstag, 25. August 2009

Die neue Seite - (Boulevardskizzen 34)


Bild: Pierre-Auguste Cot, Pause zum Nachdenken, um 1875, (wikicommons.org)

Die neue Seite - (Boulevardskizzen 34)


Es gibt Tage,

Da hast du zu nichts Lust,

Noch nicht einmal dazu,

Keine Lust zu haben;

Mit dir selbst

Bist du so unzufrieden,

Dass du Alles

Zum Teufel wünschst.


Und dann plötzlich,

Wer weiß wie es kommt,

Siehst du die Straßen

Mit ganz neuen Augen,

Und schlägt in deinem Buch

Eine neue Seite auf.


Wie konntest du nur

Das Buch vergessen?


Montag, 24. August 2009

Verlockung bei der Wanderrast


Bild: Pietro Longhi, Die Polenta, um 1740, (wikicommons.org)

Verlockung bei der Wanderrast


Weil aus einer Gasthausküche

Mittelmeerische Gerüche

Duftend auf die Straße schweben,

Werde ich mich nicht genieren:

Diese Kost muss ich probieren,

Denn was kann es bessres geben!


Parmesan und Artischocken,

Wie sie mich ins Gasthaus locken!

All die herrlichen Gerichte,

Pasta, Paprika, Tomaten,

Mit Olivenöl gebraten,

Machen Fasten gleich zunichte.


Ach, ich wollte auch nicht fasten,

Wollte nur ein bisschen rasten,

Nur bei meiner Vesper sitzen.

Aber jetzt will ich hier essen,

Ruhig mein Vesperbrot vergessen,

Und bei der Polenta schwitzen.


Sonntag, 23. August 2009

Wiederaufbauhilfe? - (Die kleine Kriegsfibel 12)


Bild: James Rattray, Feldlager der britischen Kandahar Armee unter General Nott im ersten britisch-afghanischen Krieg 1839 - 42, (wikicommons.org)

Wiederaufbauhilfe? - (Die kleine Kriegsfibel 12)


Tapfer seinen Schiss verdrängen,

Sich in einen Panzer zwängen,

Durch ein wildes Land kutschieren,

Dabei seine Haut riskieren,

Menschen durch ein Zielrohr sehen,

Ihre Sprache nicht verstehen,

Angst auf jeder Straße haben,

Weil sie Minen drin vergraben,

Einsam in der Festung sitzen,

Immer frieren oder schwitzen,

Das, erzählt der Veteran,

Das war mein Afghanistan.


Samstag, 22. August 2009

Meinem Freund Karl zum Trost


Bild: Giotto di Bondone, Verzweiflung, Fresko in der Arenakapelle in Padua, 1304 - 06, (zeno.org)

Meinem Freund Karl zum Trost


Sei ruhig ein bisschen verzweifelt,

Aber nur etwas.

Du weißt ja,

Man kann nicht

Nach Amerika schwimmen.


Lass ruhig den Kopf hängen,

Aber nicht zu tief:

Das gibt nur

Schürfwunden am Kinn.


Sollten wir nicht …

Man könnte ja eigentlich …

Ach nein, lieber doch nicht.


Wenn ´s ganz dicke kommt,

Dann gründen wir

Eine Ohlsen-Bande,

Und die Beute

Verschenken wir an

Verleihnix.


Freitag, 21. August 2009

Hungrig im Sommer


Bild: Alphons Maria Mucha, Sommer, 1896, (wikicommons.org)

Hungrig im Sommer


Aus den Kellern und aus Schächten

Dröhnt so etwas wie Musik. -

Bleib nicht hungrig in den Nächten,

Weil die Seele dabei schwieg!


Geh in deine eignen Welten,

Wandre an den Teich zurück.

Viele Dinge die dir fehlten,

Brauchst du nicht zu deinem Glück.


Lass dich nicht vom Glanz verlocken,

Back das Brot aus deinem Mehle,

Und beende dieses Zocken. -

Nahrung braucht auch deine Seele.


Donnerstag, 20. August 2009

Bei Kunduz - (Die kleine Kriegsfibel 11)


Bild: Ernst Ludwig Kirchner, Selbstbildnis als Soldat, 1915, (wikicommons.org)

Bei Kunduz - (Die kleine Kriegsfibel 11)


Bei Kunduz hat die Bundeswehr

Sich eine Festung hingebaut.

Das macht sie nicht von ungefähr,

Weil sich sonst keiner mehr getraut

Im fremden Lande dort zu sein,

Denn die Afghanen sagen: Nein.


Bei Kunduz gibt’s ein Lazarett,

Das hat zurzeit noch Plätze über.

Die haben auch für dich ein Bett,

Und wird die Sache wirklich trüber,

Dann kriegst du dort im Lazarette

Die allerletzte Zigarette.


Frühstückslied Nein Danke!


Bild: Edouard Manet, Frühstück im Atelier, 1868, (wikicommons.org)

Frühstückslied

Nein Danke!

(Eine Einladung zum Frühstück)


Es hängen Knoblauch-, Zwiebelschnüre

Und ganze Schinken von der Decke.

Da seh ich Käse, Konfitüre,

Kartoffeln, Kräuter, pralle Säcke

Mit allerlei Delikatessen,

Und ich soll diesen Unsinn essen!


Refrain: Mit Leberwurst und Knäckebrot

Wird unsre Freundschaft schwer bedroht.


Bevor du diesen Müll entfernst,

Ich muss dich wirklich darum bitten,

Nimm doch das Essen endlich ernst,

Gib mir ein paar Salamischnitten,

Und etwas von dem Kalten Braten,

Dazu vielleicht noch zwei Tomaten.


Ref.: Mit Schmierewurst auf Knäckebrot

Macht man die beste Freundschaft tot.


Mittwoch, 19. August 2009

Kleine weiße Wolke


Bild: Juan Gris, Die Wolke, 1921, (zeno.org)

Kleine weiße Wolke


Als der Sommer sich entschloss

Noch ein bisschen zu verweilen,

Und ich diesen Traum genoss,

Wollte ich ihn mit dir teilen.


Und die Wolke, klein und weiß,

Legte ich in deine Hände,

Und du fragtest nach dem Preis,

Und so ging der Traum zu Ende.


Als der Sommer sich entschloss

Sich noch immer zu verschenken,

Baute ich mein Märchenschloss

Ohne dich und viel Bedenken.


Ach, die Wolke! Weiß und klein,

Wird in einem Traum verschwendet,

Und wie bitter wird es sein,

Wenn der Sommer diesmal endet!


Dienstag, 18. August 2009

Den Krieg beenden! - (Die kleine Kriegsfibel 10)


Bild: Albin Egger-Lienz, Den Namenlosen 1915, 1916, (zeno.org)

Den Krieg beenden! - (Die kleine Kriegsfibel 10)


Sag mir doch, wem soll das nützen,

Dass am Pamir die Soldaten

Mich vor al-Qaida schützen

Und vor Selbstmordattentaten?


Wenn die Militärs schon ahnen,

Dass sie nicht gewinnen können,

Weil die Mehrzahl der Afghanen

Ihnen einen Sieg nicht gönnen,


Dann ist es ganz fehl am Platz

Mehr Soldaten hinzusenden.

Auch der Krieg ist für die Katz;

Längst ist ´s Zeit ihn zu beenden.


Gönnt dem Pamir eine Pause,

Dort wird nicht für uns gestritten!

Und holt unsre Jungs nach Hause,

Denn es ist genug gelitten.


Montag, 17. August 2009

Gabe - (Boshaftigkeiten 8)


Bild: Edouard Manet, Der Selbstmörder, 1877-81, (wikicommons.org)

Gabe - (Boshaftigkeiten 8)


Bei Aufgabe:

Da ist so eine Eingabe;

Ist das Leben eine Gabe,

Eine Aufgabe,

Oder eine Zugabe?


Bei Abgabe

Ist, nach Maßgabe

Der Vergabe,

Das Ganze eine Rückgabe.


Mit etwas Hingabe

Und ohne Angabe

Oder Gehabe

Ist es eine Vorgabe.


Für wen?


Sonntag, 16. August 2009

Stimmungszauber


Bild: Jacek Malczewski, Porträt des polnischen Lyrikers Adam Asnyk mit seiner Muse, um 1900, (wikicommons.org)

Stimmungszauber


Wie die Stimmung uns verzaubert,

Dass ich immer wieder staune! -

Wenn die Muse kaum noch zaudert,

Hat sie keine schlechte Laune.


Liederliche Liebeslieder,

Lasterhaft und leis, ganz sacht,

Schreib ich gerne hin und wieder,

Weil es mir viele Freude macht.


Leider bin ich manchmal müde,

Ach, es ist das alte Spiel,

Dann sind meine Lieder prüde,

Haben einen andern Stil.


Was die Prüden Sünde nennen,

Ist das herrlichste der Welt,

Und sich frei dazu bekennen

Mach ich – wenn es mir gefällt.


Samstag, 15. August 2009

Soldatenfriedhof – (Die kleine Kriegsfibel 9)


Bild: Felix Vallotton, Der Friedhof von Chalons-sur-Marne, 1917, (wikicommons.org)

Soldatenfriedhof – (Die kleine Kriegsfibel 9)


Den Gegner hattet ihr bedroht,

Und der – der schoss zurück.

Jetzt sei ihr alle lange tot,

Und niemand hatte Glück.


Für was ihr kämpftet weiß ich nicht,

Auch ihr habt’s nie gewusst.

Jetzt habt ihr nicht mal ein Gesicht

Und seid nur noch Verlust.


Ihr seid ein Mahnmal, doch für was?

Das kann mir keiner sagen,

Vielleicht nur für den Völkerhass;

Euch kann ich nicht mehr fragen.


Nur der Lebendige bereut ´s,

Den Ruf zum Militär.

Wir schenken euch ein neues Kreuz

Und trauern – hinterher.


Freitag, 14. August 2009

Matthias Claudius – Kriegslied - (Die kleine Kriegsfibel 8a)


Bild: Matthias Claudius, Gemälde vermutlich von Friederike Leusching, um 1797, (zeno.org)

Matthias Claudius – Kriegslied - (Die kleine Kriegsfibel 8a)


’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,

Und rede du darein!

’s ist leider Krieg – und ich begehre

Nicht Schuld daran zu seyn!


Was sollt’ ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen,

Und blutig, bleich und blaß,

Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,

Und vor mir weinten, was?


Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,

Verstümmelt und halb todt

Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten

In ihrer Todesnoth?


Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,

So glücklich vor dem Krieg,

Nun alle elend, alle arme Leute,

Wehklagten über mich?


Wenn Hunger, böse Seuch’ und ihre Nöthen

Freund, Freund und Feind ins Grab

Versammelten, und mir zu Ehren krähten

Von einer Leich’ herab?


Was hülf’ mir Kron’ und Land und Gold und Ehre?

Die könnten mich nicht freun!

’s ist leider Krieg – und ich begehre

Nicht Schuld daran zu seyn.


erschienen 1782 in: ASMUS omnia sua SECUM portans, oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen, Vierter Theil. S. 89