Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Sonntag, 30. November 2008

Zum Winterteich


Bild: Paul Gauguin, Garten im Schnee, 1879, (wikicommons.org)

Zum Winterteich


Es fällt auf kahle Bäume

Ein erstes weißes Kleid,

Dann folgen Winterträume

Noch lange vor der Zeit.


Die große alte Eiche

Hat sich ganz weiß gekleidet.

Den Weg zu meinem Teiche

Hat mir der Schnee verleidet.


Ich bin im Herbst gefangen,

Der Winter weiß es nicht,

Will auch zum Teich gelangen,

Drum zeigt er sein Gesicht.


Es liegt auf kahlen Bäumen

Ein winterliches Kleid.

Ich will es nicht versäumen

Bald bin auch ich bereit.


Samstag, 29. November 2008

Ins Bett


Bild: Heinrich Zille, In der Dachstube, 1912/14, (wikicommons.org)

Ins Bett!


Ach, wenn ich aus dem Fenster seh

Find ich ´s zum Deprimieren.

Die ganze Stadt ist voller Schnee

Und alle Menschen frieren.


Ja, draußen schneit es still und brav,

Ich will nicht länger warten,

Und werde meinen Winterschlaf

Schon im November starten.


Eivør Pálsdóttir – Trøllabundin



Eivør Pálsdóttir – Trøllabundin*

Kleines Lied, du fremde Weise,
Herrlich, dunkel und betörend,
Nimmst mich mit auf eine Reise,
Du bist irgendwie verstörend.

Vieles ist nur angedeutet,
Und in deiner Phantasie
Malst du aus, was sie bedeutet,
Diese Feenmelodie.


*Der Text des Liedes in färöischer Sprache:

Trøllabundin eri eg eri eg
Galdramaður festi meg festi meg
Trøllabundin djúpt í míni sál í míni sál
Í hjartanum logar brennandi bál brennandi bál

Trøllabundin eri eg eri eg
Galdramaður festi meg festi meg
Trøllabundin inn í hjarta rót í hjarta rót
Eyga mítt festist har ið galdramaður stóð


Vor dem 1. Advent


Bild: Gustav Courbet, Dorfausgang im Winter, um 1865 bis 1870, (wikicommons.org)

Vor dem 1. Advent


Das ganze Land ist kalt und grau

Und schmutzig obendrein.

Schon wenn ich aus dem Fenster schau

Möcht ich woanders sein.


Jetzt stellen sie die Bäume hin,

An jede zweite Ecke,

Und ich hab nur noch eins im Sinn:

Dass ich mich gut verstecke.


Das Ganze ist nicht meine Welt,

Kommerz und Weihnachtszeit.

Für mich hab ich das eingestellt,

Bin nicht dazu bereit.


Das ganze Land ist grau und kalt,

Ich werde es ertragen,

Denn ich verkrieche mich im Wald,

Ihr sollt ´s nicht weitersagen.


Freitag, 28. November 2008

Wintermelodie


Video: Nigel Kennedy spielt den ersten Satz aus "L' Inverno" von Antonio Vivaldi, Allegro non molto c f-Moll. (aus: "Die vier Jahreszeiten")

Wintermelodie

Sie klingt so traurig, zart und heiß;
Du weißt, was sie bedeutet!
Wie sie jetzt schaurig, hart, aus Eis
Die Winterzeit einläutet!

Es klingt mir eine Melodie
Aus Gold in meinen Ohren.
Gefesselt in der Phantasie
Ist sie darin gefroren.

Ich höre zu, ganz still und scheu,
Sie fließt durch alle Wände,
Und immer wieder ist sie neu,
Ein Anfang und ein Ende.

Donnerstag, 27. November 2008

Dämmerlicht


Bild: Georg Oeder, Dämmer, 1890, (wikicommons.org)

Dämmerlicht


Vom Himmel fällt es dunkel übers Land.

Das ist kein Schnee,

Nur später Nachmittag.

Am Morgen hat mich ein Gedicht verbrannt.

Jetzt ist mir weh,

Weil ich trotz einer Antwort frag.


Die Frage bleibt wie stets die gleiche.

Ich kenne jede Antwort schon.

Ich mach es wie das Mondlicht, ich erbleiche

Und klammre mich an jede kleine Illusion.


Matsch und Dreck


Bild: Remigius van Haanen, Brennholzsammler in Winterlandschaft, 19. Jh., (wikicommons.org)

Matsch und Dreck


Wie soll ich im Wald rum strolchen,

Wenn man nicht einmal mit solchen

Neuen Schuhen vorwärts kommt?

Ach, ich hatte mir geschworen,

Dieses Jahr wird nicht gefroren,

Neue Schuhe kauft’ ich prompt.


Wenn ich nur den Kuckuck hörte!,

Und der Schlamm mich nicht so störte,

Würde ich wohl weiter gehen.

Ganz egal, wohin man schaut,

Alle Wege sind versaut,

Trockene sind nicht zu sehen.


Es hat wirklich keinen Zweck,

Alles ist voll Matsch und Dreck.

Traurig laufe ich zurück.

Der Spaziergang ist verpasst,

Denn der Wald ist ein Morast. -

Nächstens hab ich vielleicht Glück.


Mittwoch, 26. November 2008

Voradvent


Bild: Adrian Luwig Richter, Der erste Schnee, 1869, (zeno.org)

Voradvent


Männer, die nach draußen gucken,

Frauen, die jetzt Plätzchen backen,

Freuen sich aufs Glühwein schlucken,

Kinder kriegen dicke Backen.


Überall liegt so viel Schnee,

Lange vor der Weihnachtszeit,

Weil Frau Holle und die Fee

Selbst entscheiden, wenn es schneit.


Dass die Dussligsten es merkten,

Lag, schon lange vor Advent,

Weihnachtszeug in Supermärkten,

Damit keiner es verpennt.


Wartet! Wartet ein paar Tage,

Die Adventszeit wird versaut.

Für mich ist es keine Frage,

Aller Schnee wird weggetaut!


Dienstag, 25. November 2008

Bequemer


Bild: Katsushika Hokusai, Der Eremit Tohu- sahu und eine Schöne, 18./19.Jh., (zeno.org)

Bequemer


Wie ein Wintereremit

Schreibe ich ein kleines Lied

Über Wind und Wetter.

Diesmal war ich nicht im Wald,

Dazu war es mir zu kalt,

Hier ist es viel netter.


Ganz gemütlich hinterm Ofen

Sitze ich und schreibe Strophen;

Ach das Wetter ist egal.

Manchen Vers hab ich versaut

Oder irgendwo geklaut,

Und die Heizung ist zentral.



Kommentargedicht von SuMuze:

Hier in der warmen, hellen Küche
versammeln sich die Weltgerüche
die kriegerischstenen Schreckensflüche
die großen Eid- und Treuebrüche
auch wenn's Grammatik nicht genüche
zu meinem Spaß es doch beitrüche
was ich mir gern zusammen lüche
sitz ich mit Schnupfen in der Küche
dieweilen draußen Frost ausbrüche.


Copyright: Susanne Sarfatti



Montag, 24. November 2008

Weißes Feld


Bild: Giovanni Segantini, Die bösen Mütter, 1894, (wikicommons.org)

Weißes Feld


Über schneebedeckte Blätter

Geht mein müder Wanderschritt;

Weißes Land! – Bei diesem Wetter

Sehe ich nur meinen Tritt.


Dieses weiße, leere Feld!

Komm’ mir wie ein Frevler vor,

Und das graue Himmelzelt!

Ob ein Engel drin erfror?


Wieder lass ich mich erschüttern,

Durch den toten alten Baum. –

Bilder von den bösen Müttern,

Wie in Segantinis Traum,


Sendet mir ein böser Troll

Tief aus meinem eignen Denken,

Dass ich nicht beklagen soll,

Was die bösen Wetter schenken.


Sonntag, 23. November 2008

Worte im Schnee


Bild: Anna Bilinska-Bohanowiczowa, Blick aus dem Fenster des Wintergartens, 1877, (wikicommons.org)

Worte im Schnee


Schreibt euch Worte!

Ja ihr Silben,

Schreibt und beschallt

Den leeren Raum.


Aber beschallt leise,

Würdig und streng

Als Worte.

Seid leise,

Seid euer würdig.

...


Kommentargedicht von Helmut Maier:


Würdeheischende Schneeflächen,
wortetragende,
Leere schaffend
immer wieder aufs Neue,
aber bereit
stets dem Würdigen.

Copyright: Helmut Maier



Kommentargedicht von Herman Josef:


schneeflüsse trieben
ungehindert über ausfallstrassen
verschwanden im nichts
dehnten sich steinfelder
im verborgenen von flussniederungen
schlingerten ausgesetzte gedanken
im unsicheren wind
mündeten kahle wurzeln
hinter der weisskalten zeit



Copyright: Herman Josef Schmitz





Samstag, 22. November 2008

Der erste Schnee


Bild: Conrad Alexander Müller-Kurzwelly, Waldlandschaft im Winter, um 1905(?), (wikicommons.org)

Der erste Schnee


Es liegt der erste Winterschnee

Auf Dächern und auf Bäumen.

Der Weg zum Teich, zu meiner Fee,

Verleitet mich zum Träumen.


Ich träume von der Kinderzeit,

Vom Schneemann, Schlittenfahrten;

Und jetzt, da es mal wieder schneit,

Wie einst im Kindergarten,


Kommt mir Frau Holle in den Sinn,

Die mir den Schnee erklärte.

Auch wenn ich längst erwachsen bin,

Bleibt sie doch mein Gefährte.


Ein weißes Märchen ist der Wald,

Und dann bin ich am Teich.

Es ist mir überhaupt nicht kalt,

Fühl mich beschenkt - und reich.


Freitag, 21. November 2008

Steine im Weg


Bild: Alexander Andrejewitsch Iwanow, Wasser und Steine bei Palazuola, 1850, (zeno.org)

Steine im Weg


Manchmal wollen meine Beine

Nicht mehr richtig von alleine.

Doch bevor ich deshalb weine,

Sage ich mir dann das Eine:


Auf dem Weg sind viele Steine,

Große, mittlere und kleine.

Gäb es auf dem Weg hier keine,

Wäre es auch nicht der meine.


Durch den Nebel


Bild: Iwan Iwanowitsch Schischkin, Birke und Vogelbeeren, 1878, (zeno.org)

Durch den Nebel


Obwohl ich sie nicht esse,

Sehne ich mich

Nach den roten Beeren der

Eberesche.

Dieses Sehnen!,

Dieses Leben auf dem Sprung!


Die Sperlinge

Verstecken sich in den Büschen,

Und ich

Lauere auf

Ein kleines Glück,

Diese faustdicke Überraschung.


Donnerstag, 20. November 2008

Das gestohlene Land


Bild: Postkarte von 1914, Kamil Vladislav Muttich, Südslawische Schönheit, (wikicommons.org)

Das gestohlene Land


Von der Landkarte

Haben sie mir

Jugoslawien geklaut.

Serbokroatisch, sagen sie,

Hat es nie gegeben.

Auch sei Jugoslawien

Ein erfundenes Land

Gewesen.


Aber ich weiß,

Dass sie lügen.

Einmal habe ich

Dort

Urlaub gemacht,

Und war glücklich.


Novemberkerze


Bild: Godfried Schalcken, Kunstbetrachtung, um 1700, (wikicommons.org)

Novemberkerze


Da spürst du auf der Haut

Schon die Novemberkühle.

Sie ist dir wohl vertraut,

Du kennst diese Gefühle.


Der graue Tag bedeckt

Die Erde und die Seele,

Die sich in sich versteckt

Vor dem Herumgequäle. -


Ein Kerzenlicht scheint klein

Und warm als Lebenszeichen,

In dein Gefühl hinein,

Und lässt die Kälte weichen.


Mittwoch, 19. November 2008

Was mich als Leiche tröstet


Bild: Anne.Louis Girodet-Trioson, Das Begräbnis der Atala, 1808, (wikicommons.org)

Was mich als Leiche tröstet


Mich tröstet nicht die Handvoll Erde,

Die wir vielleicht ins Grab bekommen,

Und nicht, dass ich das Opfer werde

Von Heucheleien, falschen, frommen.


Mich trösten keine Jammereien;

Ich bin ja tot und hör sie nicht! -

Doch eines würde mich erfreuen,

Ihr lest von mir mal ein Gedicht.


Das ist mir Ewigkeit genug!,

Und tröstet mich vor allem jetzt.

Das andre wäre Selbstbetrug,

Der hat mich schon genug verletzt.

Kommentargedicht von Gabriele Brunsch:

Was von uns bleibt,
ein Häuflein Knochen,
noch lange eingescharrt,
was von uns bleibt,
ist Teil der Erde,
immer da, 
ist niemals weg, 
bleibt,
bleibt,
immer da,
ist Teil der Erde, 
Teil der Welt,
hat Anteil an ihrer Endlichkeit,
an irdner Ewigkeit,
hat und bleibt An-Teil...

Was drüber ist,
vom Wind getragen
vielleicht, 
Gedanken des Erinnerns,
ein wenig im Atem gehaltene Worte,
ein gehauchtes Gedicht...

Copyright: Gabriele Brunsch


Dienstag, 18. November 2008

Schmuddelwetter


Bild: Carl Spitzweg, Der Rabe, um 1840, (wikicommons.org)

Schmuddelwetter


Die ungewaschenen Bäume

Hängen blattlos

Am Wegrand rum.


Ein einzelner Rabe

Krächzt lustlos

Im Nebel.


Montag, 17. November 2008

Baumzeit


Bild: Iwan Jakowiewitsch Bilibin, Baba Jaga fliegt auf ihrem Mörser, 1899, (wikicommons.org)

Baumzeit


Die Bäume sind feinfühlig,

Feinfühlig und sei es auch schwer;

Doch sind sie

Vernebelt, nichtsdestotrotz, - schwer,

Wie schwer wiegen da die Lügen

Und auch Geister.


Lasst euch rennen, Lügen,

Kurzbeinige,

Wie das Haus der Baba Jaga. -


Seht die Bäume.

Lass dich raunen, Wald.

Rennen in die endlose Zeit!


Neue Gedanken


Bild: Pierre-Auguste Renoir, Porträt eines Mädchens in Gedanken, 1876/77, (zeno.org)

Neue Gedanken


Die neuen Gedanken,

Die ich habe,

Ich werde sie spazieren tragen.


Meine neuen Gedanken

Sind uralt;

Sie haben schon

Jeden Baum

Und alle Straßen gesehen.


Aber

Es sind

Meine Gedanken.


Sonntag, 16. November 2008

Für Knut am Volkstrauertag


Bild: See-Wasseraquarium, Tafel aus "Meyers Großes Konversationslexikon Band 1.", Leipzig 1905, (zeno.org)

Für Knut am Volkstrauertag


Der Knut hat ein Aquarium,

Da schwimmen seine Fische rum,

Die halten ihre Schnauze.

Ich habe andere Int´ressen,

Sehr gern geh ich zu Knut zum essen,

Zum Wohle meiner Plauze.


Aphorismus: Lyrik herstellen


Bild: Angelika Kauffmann, Die Dichtung umarmt die Malerei, 1792. (wikicommons.org)

Aphorismus: Lyrik herstellen

Eigentlich ist es ganz einfach.
Zunächst setzt man die Gesetze der Gravitation außer Kraft, ja, überhaupt
alle Naturgesetze. Dann baut man sich eine Hülle aus Rhythmus und Sprachgefühl und füllt sie mit Silben und Worten. In diese Hülle gießt man dann seine Inspirationen, Impressionen und Gefühle, und fertig ist das Ganze. -
Man sieht, eigentlich kann gute Lyrik gar nicht geschrieben werden. Wenn sie nicht schon irgendwie vorhanden wäre, ohne bisher aufgegriffen worden zu sein, lässt sie sich nicht herstellen. Das ist das ganze Geheimnis.
Aber was für eines!

Die lange Zeit


Bild: Paul Cézanne, Haus und Baum, 1873-74, (wikicommons.org)

Die lange Zeit


Niemand kommt.

Ich gehe nicht fort.

Bäume

Stehen vor dem Haus.


Weil mich

Die schweigende Tür bewacht,

Zähle ich

Keine Stunden mehr,

Nur noch

Die Augenblicke,

In denen

Ich nicht

Gedacht habe.