Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Mittwoch, 2. Dezember 2009

Verhartzt


Bild: Gustave Dore, Schlafende unter der Brücke von London, 1871, (wikicommons.org)

Verhartzt


Hartzen – Jugendwort des Jahres,

Früher hing man einfach rum

Oder gammelte, das war es. -

Sprache im Delirium.


Weiter machen!


Bild: Michiel van Coxie, Die Erbsünde, um 1550, (wikicommons.org)

Weiter machen!


Keiner weiß, was alle wollen,

Oder was sie machen sollen.

Darum lasst sie einfach machen,

Denn dann gibt es was zum lachen.


Die lebendigen Querelen

Dürfen nicht im Leben fehlen.

Niemand lernt ja irgendwas

Ohne Fehler, ohne Spaß.


Sünden auch sind unerlässlich!

Doch zum Glück sind wir vergesslich;

Sonst würd ´s keine neuen geben,

Und wie fad wär dann das Leben.


Dienstag, 1. Dezember 2009

An die Elfen


Bild: James Carroll Beckwith, Der Brief, 1910, (wikicommons.org)

An die Elfen


Kleine Zettel für die Elfen

Lernte ich als Kind schon schreiben.

Damals sollten sie mir helfen

Bei dem, was die Kinder treiben.


Heute sind es lange Briefe,

Und ich schreib sie oft in Scham,

Tu dann so als ob ich schliefe,

Weil die Antwort niemals kam.


Ach, es liegt im Menschenwesen,

Was den Elfenstil betrifft,

Menschen können sie kaum lesen,

Diese Zauberelfenschrift.


Montag, 30. November 2009

Auftragsarbeit kurz vor Vollmond


Bild: Thomas Cole, Mondlicht, 1833/34, (wikicommons.org)

Auftragsarbeit kurz vor Vollmond


Der Mond ist fast schon wieder voll,

Und so verrückt wie alle Welt.

Ich weiß ja was ich schreiben soll,

Damit es dir und mir gefällt:


Ein kleines Liedchen über nichts,

Ganz unmoralisch, antiquiert.

Das Auge liest, die Lippe spricht ´s;

Die Muse hat es ausprobiert.


Das Liedchen zählt zu meinen Sünden,

An die ich überhaupt nicht glaube.

Jetzt sag mir nicht ich soll begründen,

Warum sie fehlt, und welche Schraube.


Sonntag, 29. November 2009

Zwei Adventsseufzer


Bild: Egon Schiele, Stehende Frau in grünem Hemd, 1914, (wikicommons.org)

Zwei Adventsseufzer


1.

Es sieht alles halb nackt aus

Im Regen,

Wenn den Laubbäumen

Die Blätter fehlen,

Als wären sie im Hemd.


Wenn die Tage so kurz sind,

Warte ich sehnsüchtig darauf,

Dass der Wald

Endlich sein weißes Kleid

Anzieht.


- - -


2.

Der Himmel flennt,

Hab ´s nicht verpennt,

Die Kerze brennt,

Advent, Advent?


Samstag, 28. November 2009

Litanei an grauen Tagen


Bild: Walter Howell Deverell, Der graue Papagei, um 1850, (wikicommons.org)

Litanei an grauen Tagen


Die Farben alle sind verblasst

Am Weg und in den Gassen.

Ein gelbes Blatt am kahlen Ast

Will nicht vom Baume lassen.


Der Himmel legt sich auf das Land

Mit Wolken, schwer von Regen.

Vergessen ist das blaue Band

Und Laub liegt auf den Wegen.


Die Lerchen jubilieren nicht,

Wo sich die Krähen scharen.

Es gibt nur blasses, kühles Licht,

Wo sonst die Farben waren.


Freitag, 27. November 2009

Wie die armen Schneiderlein


Bild: Giovanni Battista Moroni, Der Schneider, ca. 1570/75, (zeno.org)

Wie die armen Schneiderlein


Da der Tag noch immer leider

Viel zu wenig Stunden hat,

Sitzen wir, wie arme Schneider,

Rastlos vor dem leeren Blatt.


Gar nichts schreibt sich von alleine.

Auch die Hose ist nicht fertig,

Denkt der Schneider, denn die Beine

Sind zu lang noch, gegenwärtig.


Und die Worte sind im Äther,

Niemand weiß, wie es geschah,

Liegen irgendwie dann, später,

Fertig, wie die Hose da.


Nein, es frieren nicht nur Schneider,

Auch die Dichter haben ´s schwer;

Wie des Kaisers neue Kleider,

Sieht man ´s Wort erst – hinterher.


Anmerkung: Das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“

von Hans Christian Andersen gibt es hier.


Donnerstag, 26. November 2009

Am Teich im Novembernebel


Bild: Isaak Iljitsch Lewitan, Nebel. Herbst, 1899, (wikicommons.org)

Am Teich im Novembernebel


Auf dem Wasser liegen Blätter,

Die noch nicht zum Grunde sinken.

Seltsam wie im Nebelwetter,

Steine, Bäume, Sträucher blinken.

Sind die Tropfen Diamanten,

Die zu mir die Feen sandten?


Silberweiße alte Birken

Strecken Zweige fast wie Hände,

Dort wo meine Feen wirken,

In den Nebel, in den Regen,

So als ob sie sich bewegen.

Langsam geht das Jahr zu Ende.


Mittwoch, 25. November 2009

Nach dem Ende des Altweibersommers


Bild: Fabio Cipolla, Im Nebel, um 1900, (wikicommons.org)

Nach dem Ende des Altweibersommers


Als meine Augen

Wie Diebe das Herz

Des Altweibersommers stahlen

Und die Seele barfuss

(Also dichtend, wie Reiner Kunze sagte,)

Den Wald durchstreifte,

Verhüllte Nebel

Die Bäume,

Ließ sie laublos,

An einen leeren Novembertag

Verschwendet,

Zurück.


Meine Beute

Hatte ich zufrieden

Nach Hause getragen.


Dienstag, 24. November 2009

Beim Betrachten eines alten Fotos


Bild: Georg Melchior Kraus, Der junge Goethe um 1775/76, 1778, (wikicommons.org)

Beim Betrachten eines alten Fotos


Es schlägt das Herz nicht mehr wie wild.

Die Zeit färbt das Vergangne mild,

Ich halt es vor mich, wie ein Schild,

Und so beschwör ich fast das Bild.


Ich habe sie geliebt, gehasst,

Und trotzdem ist ihr Bild verblasst.

Was soll ich mit dem Schicksal ringen?

Ich kann und will es nicht mehr zwingen.


Montag, 23. November 2009

Das Wichtige


Bild: Vittorio Matteo Corcos, Träume, 1896, (wikicommons.org)

Das Wichtige


Du lachst –

So hast du für die Träume Zeit.


Du träumst –

Und dadurch wirst du erst befreit.


Du liebst –

Und fragst, was ist Bedeutsamkeit.


Die schwarze Katze


Bild: Aubrey Vincent Beardsley, Die schwarze Katze, 1894, (zeno.org)

Die schwarze Katze


Wieder mal

Habe ich

Bei einem Preisausschreiben

Mitgemacht,

Natürlich

Nichts gewonnen.


Das kommt daher,

Dass ich

Die schwarze Katze

Nie sehe,

Die mir immer über

Den Weg läuft.


Sonntag, 22. November 2009

Ein Pärchen


Bild: Jean-Auguste-Dominique Ingres, Raffael und die Fornarina, 1814, (wikicommons.org)*

Ein Pärchen


Zaubergleich sind Traum und Märchen

Immer da und stets zusammen.

Dieses wundersame Pärchen

Muss ja aus der Seele stammen.


Erst wenn sie sich treu ergänzen

Findet Hoffnung ihre Wege,

Und wo Traum und Märchen glänzen,

Ist die Zukunft da – und rege.


*Anmerkung: "La Fornarina" ist italienisch für "Die kleine Bäckerin", das

bekannteste Model (und wahrscheinlich die Geliebte) von Raffael. Ihr Name

war Margherita Luti.


Früher im Herbst


Bild: Egon Schiele, Herbstlicher Auwald, 1907, (wikicommon.org)

Früher im Herbst


Hatte ich nicht bei Trakl gelesen,

Wie die Reseden welken, verblühn?

Wo bin ich nur im Herbst gewesen,

Wenn die sterbenden Rosen glühn?


Hab mich im Nebel eingenistet,

Unter tiefen Haufen von Laub.

Wurde von einem Troll überlistet,

Gab mein bisschen Gold für Staub.


Samstag, 21. November 2009

Wünsche und Pläne


Bild: Jules Bastien-Lepage, Jeanne d´Arc, 1879, (wikicommon.org)

Wünsche und Pläne


Alle Menschen irren sich,

Ganz besonders wenn sie handeln,

Wenn sie dabei lediglich

Ihren Wunsch zum Plan verwandeln.


Wenn ich sie nur laut erwähne,

Sind sie meistens schon gescheitert,

Die beliebten Zukunftspläne,

Weil - um deinen Wunsch erweitert.


Erst die Absicht macht uns klar,

Was die Wünsche wirklich sagen,

Und durch Taten wird erst wahr,

Was wir uns beim Wünschen fragen.


Freitag, 20. November 2009

Einzug der Börsenmentalität


Bild: Jusepe de Ribera, Der alte Geldverleiher, 1638, (wikicommons.org)

Einzug der Börsenmentalität


Warum sollte es mir gefallen,

Dass ich neuerdings überall,

Sogar bei Ämtern und Behörden,

Als Kunde angesehen werde?

In einer Welt

In der alles käuflich oder verkäuflich

Sein kann,

Der Mensch auf ein Produkt

Reduziert wird,

Will ich nicht leben.


Dieses „Produkt“ können sie

Noch nicht einmal

Den Kirchen andrehen;

Die haben jahrhundertealte

Erfahrung im Markt

Der Seelen und

Gefühlen.


Aber an Seele und Gefühl

Glauben die ja nicht, -

Es sei denn,

Es lässt sich

Damit Profit machen.


Donnerstag, 19. November 2009

Was Wolken sind


Bild: George Frederick Watts, Wolkenstudie, um 1900, (wikicommons.org)

Was Wolken sind


Sie sind ganz dunkel oder weiß,

Und alles Mögliche dazwischen.

Der Wind ist laut und sie sind leis,

Um ´s Blau des Himmels zu verwischen.


Sie bringen Regen oder Schnee,

Es kann auch manchmal Hagel sein.

Und wenn ich sie am Himmel seh,

Gibt ´s dabei selten Sonnenschein.


Es ziehn die Wolken ohne Eile

Von West nach Ost, von Ost nach West.

Sie jagen ihre Langeweile,

So wie der Wind sie jagen lässt.


Mittwoch, 18. November 2009

Hölle und Teufel


Bild:Stefano di Giovanni Sassetta, Teufel quälen den Einsiedler Sankt Antonius, 1423, (wikicommons.org)

Hölle und Teufel


Eigentlich, so sag ich mir,

Ist die Hölle gar nicht da. -

Bis ich wieder mal kapier’,

Was in meinem Kopf geschah.


Bitterböse schlechte Bilder

Setzen mich in Angst und Schrecken,

Dunkelheit macht sie nicht milder.

Darin muss ein Teufel stecken.


Was der Teufel gerne macht,

Weiß der Teufel ganz allein.

Hör ich, wie er wieder lacht?

Mensch, er muss satanisch sein.


Also wohnt in meiner Seele

Auch der Teufel und das Böse,

Aber ich geb die Befehle,

Wenn ich mich - und ihn - erlöse.


Dienstag, 17. November 2009

Mein Baum im Novemberlicht


Bild: Peter Graham, Verlassene Landschaft im Nebel, um 1900, (wikicommons.org)

Mein Baum im Novemberlicht


Der Wald war in der Nebelwand,

Im Dämmrigen verschwunden.

Ich habe kaum die eigne Hand

Im blassen Licht gefunden.


Novemberlicht, so wage, fahl,

Der Nebel lässt nur ahnen.

Die Bäume sind so träge, kahl,

Als würden sie mich mahnen.


Mein kahler Baum erwachte nicht,

Als ich ihn leicht berührte.

Er schlief zu tief. – Novemberlicht,

Das war es was ich spürte.


Montag, 16. November 2009

Frei werden


Bild: Jean Jacques Francois Le Barbier, Darstellung der Erklärung der Menschen- und Bürgerrecht von 1789, um 1790, (wikicommons.org)

Frei werden


Unsere Sprüche

Reichen nur

Bis ins Tal.

Auf den Bergen

Weht der Wind.


Übrig bleibt

Eine Möglichkeit.


Und wir,

Wir warten.

Warten, dass da

Jemand vor der Tür steht,

Mit Geschenken

In den Händen.


Sonntag, 15. November 2009

Die Schere


Bild: Pierre Mignard, Die Zeit beschneidet dem Cupido die Flügel, 1694, (wikicommons.org)

Die Schere


Es geht nicht allen Menschen gleich.

Die Schere zwischen arm und reich

Schließt sich nie von alleine.

Wer schneidet mit der Schere was?

Die Unterschiede sind so krass,

Ihr wisst schon was ich meine.


Das Bild der Schere stimmt ja nicht,

Wenn man von Reichtum - Armut spricht,

Denn sagt, wer hält die Schere?

Das arme kleine Schneiderlein?

Oh nein, ein fettes Börsenschein

Kommt ihm da in die Quere.


Zum Schneiden aber braucht es Mut;

Die Schere zwischen schlecht und gut

Und irgendwas dazwischen,

Die lässt das Tischtuch lieber ganz. -

Wir brauchen einen neuen Tanz

Und Schnitte auf den Tischen.


Samstag, 14. November 2009

Parkstimmung


Bild: John Atkinson Grimshaw, Novembernachmittag, Stapleton Park, 1877, (wikicommons.org)

Parkstimmung


Es ächzen zerfranste Novemberweiden,

Die Raben krächzen behaglich.

Ich sehe den Park, als würde er leiden, -

Na ja, ob er ´s tut ist dann fraglich.


Wahrscheinlich ruht er sich nur aus

Vom Sommer und seinem Trubel.

Was braucht der Park auch den Applaus

Und menschliches Gejubel?


Freitag, 13. November 2009

Vom Teufel


Bild: Franz von Stuck, Lucifer, 1890, (wikicommons.org)

Vom Teufel


Der Teufel ist

Nur ein armes Schwein,

Dem der liebe Gott

Die falschen Aktien

Angedreht hat.

Wen kann es da

Wundern,

Dass er so sauer

Reagiert?


Die Prinzesse


Bild: Maurice Quentin de La Tour, Porträt der Marquise de Pompadour, 1748 - 55, (wikicommons.org)

Die Prinzesse


Das ist, warum ich die Märchen mag:

Es siegt dort immer das Gute,

Und allem was immer im Argen lag,

Dem zeigt das Märchen die Schnute.


Im Leben regiert er durch nackte Gewalt,

Und hat eine geile Mätresse.

Im Märchen jedoch ist der Prinz nie alt,

Und kriegt eine junge Prinzesse.


Donnerstag, 12. November 2009

Elegie auf den Herbst der Birken


Bild: Christian Rohlfs, Birkenwald, 1907, (wikicommons.org)

Elegie auf den Herbst der Birken


Der Regen fällt mir aufs Gemüt.

Ich wünsche, dass die Birke blüht,

Und kann es nicht erzwingen.

Im Sommer hab ich noch gedacht,

Dass mich der Herbst zufrieden macht,

Wie kann das jetzt gelingen?


Und doch, da ist mein Kerzenlicht,

Die weißen Bäume, die so schlicht

Zum Himmel aufwärts ragen,

Als wären sie im Schattenreich.

Die Schatten sehn sich niemals gleich.

Warum kann ich nicht sagen.


Es weht der Herbstwind mir so kühl.

In Sprache gieß ich ein Gefühl,

Nur schwer lässt sich ´s beschreiben.

Wie widersetzt sich mir das Wort!

Es treibt der Wind die Blätter fort,

Die Bäume aber bleiben.


Mittwoch, 11. November 2009

Rezepte (schlechte) gegen die Einsamkeit


Bild: Johann Heinrich Füssli, Die Einsamkeit bei Tagesanbruch, 1794-96, (zeno.org)

Rezepte (schlechte) gegen die Einsamkeit


Lieber Mensch, sei doch nicht einsam!

Schimpfe auf die Welt gemeinsam

Mit dem nächsten besten.

Besser ist es laut zu fluchen,

Als ein Kämmerlein zu suchen. –

Solltest du mal testen!


Geh mal in die Bahnhofshalle,

Ignoriere dich und alle,

Und dann schrei ganz laut.

Plötzlich spürst du die Befreiung,

Sage bloß jetzt nicht: „Verzeihung,

Ich hab Mist gebaut.“


Schlucke niemals eine Pille

Heimlich, leise in der Stille,

Tu das laut und offen.

Sofort hast du viel Bekannte,

Hypochonder, arrogante,

Aber du kannst hoffen.


Dienstag, 10. November 2009

Mauer weg – gut so.


Bild: Edward Reginald Frampton, Steinmauern machen kein Gefängnis und Eisenstäbe keinen Käfig, um 1900, (wikicommons.org)

Mauer weg – gut so.


Überall die großen Worte,

Ich mag sie nicht mehr hören.

Überall Besinnungsorte.

(Oh, ich will nicht stören.)


Feiern die jetzt auf die Dauer,

Diese Scheißbedenkenheger?

Oder liegen auf der Lauer,

Wie die Börsenschnäppchenjäger?


Nur, - mich trösten die Gedanken,

Dass das Volk in jener Nacht

Mauern stürzte, es brach Schranken,

Und sie haben ´s halt gemacht.


Montag, 9. November 2009

Laub


Bild: Thomas Lloyd, Herbstlaub, um 1900, (wikicommons.org)

Laub


Bedeckt ist alles Land mit Laub,

Es raschelt hübsch beim Laufen.

Versteckt ist jetzt der Straßenstaub

Ganz unter Blätterhaufen.


Die Lerche jubiliert nicht mehr,

Gemütlich krächzt ein Rabe.

Ich stapfe durch das Blättermeer,

Bis ich ´s umrundet habe.


Der Wald zeigt mir sein Herbstgesicht,

Mit fast schon nackten Bäumen.

Er strahlt so rot im tiefen Licht.

Jetzt ist die Zeit zum Träumen.


Sonntag, 8. November 2009

Brutale Zurückhaltung


Bild: Caspar David Friedrich, Der Kapuzinermönch am Meer, 1808 - 10, (wikicommons.org)

Brutale Zurückhaltung


So langsam werde ich zu dick,

Es wächst mir eine Plauze,

Und auch wenn ich daran erstick:

Ich halte meine Schnauze.


Die Nase schon gestrichen voll,

Ganz ohne dass ich niese;

Ich wüsste was ich sagen soll,

Wenn ich mich ´s sagen ließe.


Ich könnte dieses und auch das

Zu jenem oder jener sagen.

Weil ich das Sprechen bleiben lass,

Wird mich mein Schweigen plagen.


Ich fresse ihn in mich hinein,

Den nicht gesagten Satz,

Und werde so lang schweigsam sein,

Solange, bis ich platz.


Samstag, 7. November 2009

Dichterische Beschirmung


Bild: Giovanni Boldini, Der rote Schirm, 1872-75, (wikicommons.org)

Dichterische Beschirmung


Ein Dichter braucht den Regenschirm,

Vor allem, wenn es regnet.

Zwar ist er auch im Dichten firm,

Wenn Nasses ihm begegnet,


(Zum Beispiel lässt er Regentropfen,

Aus Wolken dicht und grau,

Poetisch an die Scheiben klopfen,

In dichterischer Schau.)


Doch mag er Regentropfen nicht

Auf frisch geschrieb’ner Tinte,

Dann wirft er nämlich sein Gedicht

Ins Korn - mitsamt der Flinte.