Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Dienstag, 31. März 2009

Bitte an die Muse


Bild: Edmond Francois Aman-Jean, Der Dichter Hesiod hört auf die Inspiration durch die Muse, um 1900, (wikicommons.org)

Bitte an die Muse


Liebe Muse, sei so gut,

Lass den Äther jetzt allein.

Wenn ein Dichter brüten tut,

Solltest du schon bei ihm sein.


Wenn der junge Wald mich ruft,

Will ich seine Kraft genießen.

Muse, lass die Frühlingsluft

Hell in meine Zeilen fließen.


Liebe Muse, bleib bei mir,

Hau nicht ab durchs Internet.

Inspirier mich, denn Papier

Und ein Schreiber liegt beim Bett.


Montag, 30. März 2009

Waldbegegnungen


Bild: Arthur Hughes, Aprilliebe, 1856, (wikicommons.org)

Waldbegegnungen


Ach, der Wald erwacht zum Leben,

Sonnentage werden länger;

Und was kann es schön’res geben,

Als im Wald die Frühlingssänger.


Sieh, die ersten Kräuterhexen

Streifen ja schon durch den Wald,

Auf der Suche nach Gewächsen. –

Dafür ist ´s mir noch zu kalt.


Wenn ich sie recht höflich grüße,

Grüßen freundlich sie zurück,

Und ich spür etwas wie Süße;

Es ist Frühling. Welch ein Glück!


Sonntag, 29. März 2009

Launiges


Bild: Albert Bierstadt, Der Bergbach, 1863, (wikicommons.org)

Launiges


Eifrig wird zum Bach die Quelle,

Hier im Wald an dieser Stelle

Seh ich, wie der Frühling webt.

Und ich hör’ bei allen Dingen,

Wie die Vögel munter singen.

Wie das meine Laune hebt!


Helles Grün an vielen Zweigen,

Erste Blumen, die sich zeigen,

Balsam für die alte Laune.

Wieder gibt mir die Natur,

Eine Dosis Freude pur,

Und ich stehe da und staune.


Samstag, 28. März 2009

Erwartungen


Bild: Edouard Manet, Frühling, 1881, (wikicommons.org)

Erwartungen


Kühl ist noch der Frühlingsabend.

Felder werden schon bestellt,

Und die Gärtner fluchen grabend,

Wenn der Schnee vom Himmel fällt.

Bis zum Mai ist es noch weit,

Aber wir sind längst bereit.


Kalt ist noch der Frühlingsmorgen,

Und die roten Lippen lachen

Hinter einem Schal verborgen,

Bis sie einen Blick entfachen.

Das Walpurgisfest ist weit;

Es ist Frühling, und es schneit.


Freitag, 27. März 2009

Zurückhaltung


Bild: Hieronymus Bosch, Der Menschenbaum, um 1500, (wikicommons.org)

Zurückhaltung


Wenn ich Fieberwahngedichte,

In der langen Nacht geschrieben,

Nach dem Lesen gleich vernichte, -

Ach, das Wahn ist da geblieben!


Warum sollte ich erzählen,

Was das Herz schon lange weiß?

Nein, ich will mich nicht mehr quälen,

Viel zu hoch ist dieser Preis.


Lieber will ich leise singen,

Kleine Lieder aus den Träumen;

Und damit sie tiefer klingen,

Singe ich sie meinen Bäumen.


Donnerstag, 26. März 2009

Verzauberung


Verzauberung


Schwache Kräfte will ich schonen,

Wandere hinab zum Teich,

Dorthin wo die Elfen wohnen,

Weiter bis zum Feenreich.


Ich erhole mich vom Tage,

Seh’ den Nymphen zu beim Reigen,

Und vergesse jede Plage,

Wenn sie sich vor mir verneigen.


Nicht nur ich seh’ Zauberwesen

In den Wassern hier im Teich.

Und so mancher ist genesen,

Dem ich meine Bilder reich’.


Such den Schatz in deiner Seele,

Geh’ dem Teich bis auf den Grund;

Sag dem Inneren: erzähle,

Dann entdeckst du meinen Fund.


Mittwoch, 25. März 2009

Wetterkapriolen


Bild: Caspar David Friedrich, Verschneites Grab, 1826, (wikicommons.org)
[Ich gebe zu, eine etwas makabere Bildauswahl, aber mir war danach.]

Wetterkapriolen


Da draußen regnet ´s wieder mal,

Und langsam wird es Schnee.

Für Frühling ist das kein Signal,

Wie ich durchs Fenster seh’.


Die Gärtner fangen noch nicht an

In der Natur zu putzen.

Man sieht sie höchsten dann und wann

Den Hag zurecht zu stutzen.


Die Kühe bleiben noch im Stall,

Die Schafe in den Pferchen.

Ein Lärmen hör’ ich überall,

Nicht den Gesang der Lerchen.


Es ist zu kalt für mein Gemüt,

Und langsam bin ich ´s leid.

Ich möchte, dass der Garten blüht;

Wann ist es bloß so weit?


Dienstag, 24. März 2009

Morgenkonzert Ende März mit Amsel

Morgenkonzert Ende März mit Amsel


Die Amsel singt um halb nach vier,

Da schläft der Sperling noch im Nest.

Der Kuckuck streift durch sein Revier,

Und sucht wo er bald brüten lässt.


Viel später singen auch die Stare;

Sie warten auf das Sonnenlicht.

Es bilden alle Vögel Paare,

Und nur der Rabe, der singt nicht!


Bald stellen wir die Uhren um,

Und ich versteh die Zeit nicht mehr.

Die Vögel kümmern sich nicht drum,

Und singen einfach hinterher.


Montag, 23. März 2009

Amok-Koma


Bild: Johann Heinrich Füssli, Nachtmahr, 1802, (wikicommons.org)

Amok-Koma?


Wie sind wir klein! Wir wissen nichts;

Das Wissen greift ins Leere.

Das Fühlen eines Spukgesichts

Bedroht uns - fremde Schwere.


Grotesker Alp greift uns ans Herz

Und lässt uns ratlos schweigen.

Nur Träume steigen himmelwärts,

Um uns - uns selbst zu zeigen.


Die Waffe tötet dich und mich,

Denn darum sind es Waffen.

Man kann mit Waffen lediglich

Tod und Vernichtung schaffen.

- - -

Wie sind wir stark, wir lieben ja!,

Und brauchen keine Waffen.

Wann sind die Menschen sich so nah,

Um diese abzuschaffen?


Sonntag, 22. März 2009

Lied der Nymphe


Bild: John Collier, Die Wassernymphe, 1923, (wikicommons.org)

Lied der Nymphe


Die Nacht verblüht am Berg entlang,

Ich suche nach den Träumen,

Die mir am Teich mit ihrem Klang

Den Rand der Nächte säumen.


Der Abend- wird zum Morgenstern.

Ein kühler Wind schläft ein.

Ich ahne meine Träume fern

Und will bei ihnen sein.


Ein neuer Traum erwacht am Tag,

Die alten flüstern leise.

Wie herrlich, dass der Tag mich mag!,

Er singt mir seine Weise.


Samstag, 21. März 2009

Das Rotkehlchen – (Boulevardskizzen 16)


Bild: John Anster Fitzgerald, Das vorsichtige Rotkehlchen, 1864, (wikicommons.org)

Das Rotkehlchen – (Boulevardskizzen 16)


In aller Frühe

Hörte ich den

Rotkehlchen zu.


Später dann

Fragte ich in meiner Dummheit,

Warum die zufriedenen Sänger

Im Freien wohnen.


„Weil das Glück

Selten Hausbesuche macht „,

Kam die zwitschernde Antwort.


Freitag, 20. März 2009

Winterblässe


Bild: Sandro Botticelli, Die Geburt der Venus, 1485, (wikicommons.org)

Winterblässe


Meine Augen, die liebkosen

Gern das weibliche Geschlecht.

Ob in Röcken oder Hosen,

Mir ist beides meistens recht.


Wenn ich hübsche Frauen sehe,

(Ach, ihr wisst schon was ich meine.)

Dann verstört mich oft die Nähe

Zart bestrumpfter Frauenbeine.


Warum fällt die Winterblässe

Da im Frühling richtig auf?

Fehlt mir winters das Int’resse

Oder achte ich nicht drauf?


Blässe war ein Muss der Schönen

Längst vergang’ner Episoden.

Und dass wir der Bräune frönen,

Ist nur Zeichen neuer Moden.


Donnerstag, 19. März 2009

Verspätet - (Boulevardskizzen 15)


Bild: John LaFarge, Sonnenaufgang im Nebel über Kyoto, um 1910, (wikicommons.org)

Verspätet - (Boulevardskizzen 15)


Hinter dem Fenster

Lauere ich

Auf die ersten Sonnenstrahlen.


Lange bevor

Licht zu sehen ist,

Fängt schon die Amsel

Mit ihrem Lied an,

Und ich merke,

Wie verspätet ich

Sein muss.


Mittwoch, 18. März 2009

Beamtenwunder


Bild: Albert Anker, Der Gemeindeschreiber, 1874, (wikicommons.org)

Beamtenwunder


Eine Lippe zu riskieren

Können sie sich nicht mehr leisten;

In den Ämtern da erfrieren

Die Gedanken, da die meisten


Freiheit, Meinung und Verstand

Längst beim Pförtner abgegeben;

Das ist allgemein bekannt,

Auch Beamte wollen leben.


Ab und zu ist einer da,

Der trotz allem selber denkt,

Und der Mensch, den ich da sah,

Hat ein Lächeln mir geschenkt.


Dienstag, 17. März 2009

Ansteckungsgefahr – (Boulevardskzizzen 14)


Bild: Pierre Auguste Renoir, Frühlingsblumen, 1864, (wikicommons.org)

Ansteckungsgefahr – (Boulevardskzizzen 14)


Jetzt im Frühjahr

Traue ich mich

Nur noch schwer vermummt

In die Stadt.


Ich versuche

Immer vor acht Uhr

Zuhause zu sein,

Um mich nicht an

Der Frühjahrmüdigkeit

Anzustecken.


Versammlungen vermeide ich,

Schaue keine Plakate oder

Schaufenster mehr an.

Es könnte mich ja

Ein Ismus überfallen.


Auch den Frauen schaue ich

Nicht mehr hinterher.

Ich könnte ja,

(welche Katastrophe!),

Am Verliebtsein erkranken.


Montag, 16. März 2009

Heimgeholt


Bild: Akseli Gallen-Kallela, Frühling, 1903, (zeno.org)

Heimgeholt


Einen Zweig mit zarten Trieben

Hab ich mir im Wald gebrochen,

Voller Freude dran gerochen, -

Danach lange nichts geschrieben.


Warum muss ich Zweige brechen,

Um den Frühling heim zu holen,

Wie ein Räuber, fast verstohlen,

Kann der Zweig im Zimmer sprechen?


Sonntag, 15. März 2009

Der kleine Zinnsoldat


Bild: Zinnfigur eines Grenadiers der (französischen) kaiserlichen Garde nach der Schlacht von Waterloo, (wikicommons.org)

Der kleine Zinnsoldat


Es war einmal ein Zinnsoldat,

Ein einzelner von vielen;

Der war nicht mehr so ganz auf Draht,

Mit dem wollt’ keiner spielen.


Auch fehlte ihm das Zinngewehr;

Es lag bei einer Puppe,

Und die, das ratet ihr nicht schwer,

War eine ganz kaputte.


Da lag auch noch ein Kreisel rum,

Der konnt’ sich nicht mehr drehen,

Und hatte auch kein Publikum,

Das könnt ihr gut verstehen.


Die drei verstanden sich recht gut,

Sie lagen in der Ecke

Bei einem alten Zauberhut;

Auch der war ohne Zwecke.


Da baten sie den Zauberhut,

Sie doch zu reparieren,

Damit sie wieder heil und gut

Die Spielzeugkiste zieren.


„Die Puppe mach ich wieder ganz,

Das ist nicht weiter schwer,

Und auch den Kreisel für den Tanz,

Doch nicht das Zinngewehr.


Was bist du auch ein Zinnsoldat!,

Kann dich nicht heile machen.

Soldaten sind ja in der Tat

Recht komplizierte Sachen.“


So blieb die kleine Zinnfigur

Alleine und kaputt,

Und landet nach der Sperrmülltour

Als Abfall auf dem Schutt.


Samstag, 14. März 2009

Abendlied vom Glück


Bild: Richard Dadd, Der Abend, um 1850, (wikicommons.org)

Abendlied vom Glück


Alle Welt sehnt sich zurück,

Oft nach der Vergangenheit,

Denn da war ein Stückchen Glück,

Und es lag für dich bereit.


Woraus ist das Glück gemacht?

Ist es denn nicht immer Liebe? -

Nach dem Abend folgt die Nacht,

Und was dann noch übrig bliebe


Ist ein langer, schwerer Tag;

Jeder füllt ihn mit Bestreben,

Und wenn er sich selber mag,

Kann das ein Stück Glück ihm geben.


Freitag, 13. März 2009

Meine alte Jacke


Bild: Felix Vallotton, Koketterie, 1911, (wikicommons.org)

Meine alte Jacke


Die blasse Jacke trage ich gern,

Den alten, schäbigen Kittel,

Das Hemd ist nahe, die Jacke nicht fern,

Und gegen die Kälte ein Mittel.


Dass ich in meiner Jacke wohn’,

Ist wahrlich nicht übertrieben.

(Ich habe über die Jacke schon

So manche Zeile geschrieben.)


Empfindlich bin ich meistens nicht,

Doch werde ich zur Mimose,

Wenn man von meinen Lumpen spricht;

Das ist nicht Jacke wie Hose.


Es störte sich gar mancher dran,

Sie sei ein alter Lumpen,

Und wer das meint, oh ja, der kann

Mir seine Jacke pumpen.


Donnerstag, 12. März 2009

Zwei Arten des Schweigens


Bild: Caspar David Friedrich, Abtei im Eichwald, 1809, (wikipedia.org)

Zwei Arten des Schweigens


(Angeregt durch einen Aphorismus von Helmut Maier:

Miteinander schweigen können ist die intensivste Art der Kommunikation.)


Sie schweigen. – Schweigen gegen sich,

Und zeigen nicht, wie fürchterlich

Das Schweigen selbst auf ihnen lastet,

Weil Leben nur vorüber hastet.


Sie schweigen. – Schweigen inniglich;

Sie zeigen ´s nicht, sie lieben sich.

Und während alles um sie eilt,

Ist es die Liebe, die verweilt.