Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Dienstag, 30. Juni 2009

Spurweite


Bild: Rembrandt Harmenszoon van Rijn, Das Gastmahl des Belsazar, 1635/39, (wikicommons.org)

Spurweite


Wie kann ich die Spur

Der Wörter messen,

Wenn ihre Herkunft

Mich in Labyrinthe schickt?


Soll der Wind

Die Spuren verwehen!


Es genügt

Die Ahnung,

Dass das etwas

Geschriebenes war,

Weil es sein wird.


Montag, 29. Juni 2009

Tagesaphorismus: Donnergrollen


Bild: Claude Monet, Landschaft mit Gewitter, um 1910 (?), (wikicommons.org)

Tagesaphorismus: Donnergrollen


Der Donner ist gewaltig laut,

In Wahrheit aber nur ein Witz;

Auch wenn ´s uns von den Stühlen haut:

Gefährlich ist ja nur der Blitz.


Sonniges Geplauder – (Boshaftigkeiten 5)


Bild: Michelangelo Buonarotti, Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle: Schöpfungsgeschichte, Die Erschaffung von Sonne, Mond und vier Ignudi, 1508 -1512, (zeno.org)

Sonniges Geplauder – (Boshaftigkeiten 5)


Ich bin der Grund für die Markise.

Mein schönes Licht wird oft verkannt,

Und wenn ich euch in Ruhe ließe,

Dann gäb es keinen Sonnenbrand.


Es dreht sich eure Welt um mich,

Und ich kann sehr gehässig sein,

Denn ihr kriegt einen Sonnenstich,

Schaut ihr zu lang in mich hinein.


Ich scheine auf die Erde runter,

Und wenn sie sich nicht richtig dreht,

Kann es zu früh sein; ja mitunter

Ist es dann aber auch zu spät.


Anmerkung:

Dieses Gedicht sollte eigentlich erst später veröffentlicht werden. Das folgende

Kommentargedicht von Elke Kaminsky zu den „Boshaftigkeiten 4“ drängt mich

jetzt schon zur Veröffentlichung:


Und ich, die Elke, lieber Mond,

weiß, welche Lyrik in dir wohnt.

Und auch in dir, dem Dichter Paul,

schau nun der Sonne auch "auf`s Maul"!


Copyright: Elke Kaminsky


Sonntag, 28. Juni 2009

Die Mond bedankt sich – (Boshaftigkeiten 4)


Bild: Giovanni Domenico Tiepolo, Früchteofer für die Mondgöttin, 1757, (wikicommons.org)

Die Mond bedankt sich – (Boshaftigkeiten 4)


In Frankreich heiße ich „lalün“,

In England bin ich schlicht „?emuhn“.

Für manche bin ich männlich kühn,

Dann wieder weiblich opportun.


Aus Silber sei mein Licht gemacht,

Geheimnisvoll und weiblich, hold;

Ich trüge ein Gesicht das lacht,

Dann wieder ist mein Licht aus Gold.


Für jeden bin ich, was er will,

Mach die Gezeiten durch mein Sein;

Am Himmel häng ich leis und still,

Und bin doch „nur“ ein großer Stein.


Ein riesengroßer Stein bin ich!

Den Rücken zeige ich euch nie,

Ihr Menschen, ich bedanke mich

Für jede Mondesmelodie.


Samstag, 27. Juni 2009

Vorbei an den Villen – (Boulevardskizzen 29)


Bild: Thomas Wilmer Dewing, Im Garten, 1892, (wikicommons.org)

Vorbei an den Villen – (Boulevardskizzen 29)

Auf dem Weg in den Wald

Schleiche ich mich rasch

An den Villen vorbei.

Da ist keine Musik

Zu hören,

Und in den Gärten

Blüht es fremd.


Obwohl ich Blumen mag,

Erschrecke ich jedes Mal

Beim Anblick der

Exotischen Ziersträucher.





Freitag, 26. Juni 2009

Die Sternschnuppe


Bild: Gerrit Dou, Der Astronom, um 1655, (wikicommons.org)

Die Sternschnuppe


Du kannst reden, du kannst schweigen,

Oder auch nur Gesten zeigen:

Wenn die Sterne sich verneigen,

Hinter vollen Blütenzweigen,

Machst du dir die Welt zu Eigen,


Fühlst dich als ein Teil vom Ganzen,

Deine Träume können tanzen,

Die du schon als Kind im Ranzen,

Später dann in den Romanzen,

Hast versucht hinein zu pflanzen.


So vergehen dann die Jahre.

Du erkennst das Offenbare,

Trägst gefasst die grauen Haare,

Aber suchst noch jetzt das Wahre,

Und das Sternlein sagt: erfahre!


Donnerstag, 25. Juni 2009

Lieder lesen


Bild: Kate Elizabeth Bunce, Melodie, um 1895, (wikicommons.org)

Lieder lesen


Lasst euch bitte nicht verstören,

Wenn ihr meine Verse seht.

Durch die Zwischentöne hören

Wir die Lieder leicht verdreht.


Wenn das Gras beim Wachsen singt,

Dröhnt die große Melodie,

Dass sie wie ein Ohrwurm klingt,

Und – wir überhören sie.


Mittwoch, 24. Juni 2009

Schreckenbekämpfung – (Boulevardskizzen 28)


Bild: Pierre Auguste Renoir, Claude Monet beim Zeitunglesen, 1872, (wikicommons.org)

Schreckenbekämpfung – (Boulevardskizzen 28)


Ob ich es wohl

Fertig bringe so lange

Ruhig zu bleiben,

Bis mich eine neue

Schreckensnachricht überrascht?


Ob es wohl hilft,

Wenn ich keine Zeitung mehr lese,

Und den Fernseher

Ausgeschaltet lasse,

Damit ich friedlicher

Leben kann?


Dass die

Elstern trotzdem schäkern,

Stört mich ja

Nicht wirklich.


Dienstag, 23. Juni 2009

Tagesaphorismus: Himmel und Hölle


Edgar Degas, Im Cafehaus, 1876, (wikicommons.org)

Tagesaphorismus: Himmel und Hölle


Die (fehlende) Tischblume im Cafe, die einzelne Fliege in der Stube: es sind immer die Kleinigkeiten an denen wir Himmel und Hölle festmachen.


Ohne Uhr – (Waldgeschichten 1)


Bild: Peder Monsted, Fluss im Wald, 1923, (wikicommons.org)

Ohne Uhr – (Waldgeschichten 1)


Den alten Baum fragte ich,

Ob er auch

Am nächsten Morgen ganz bestimmt

Da sei.

Er meinte, das nächste Mal

Solle ich die Uhr zu Hause

Lassen,

Wenn wir uns treffen.


Als ich verstanden hatte

Was er meinte,

Trug ich längst keine

Uhr mehr herum.


Niemand geht

Mit der Uhr in den Wald,

Ohne die Bäume

Zu verraten.


Eine Einladung zum Sushi-Essen


Bild: Hiroshige Utagawa, Sushi-Schale, 19. Jh., (wikicommons.org)

Eine Einladung zum Sushi-Essen


Eine leidige Geschichte,

Hör!, es rebelliert mein Magen.

Die exotischen Gerichte

Kann ich manchmal nicht vertragen.


Reich mir doch den Gänsewein

Und die Speisekarte rüber. –

Warum muss es Sushi sein?

Bratkartoffeln sind mir lieber.


Du belehrst mich, das ist „in“;

Ach, das wäre mir egal,

Aber weil ich hungrig bin,

Tu ich so, als sei ´s frugal.


Montag, 22. Juni 2009

Über die „zeitgenössischen“ Lyriker – (Boshaftigkeiten 4)


Bild: Gustave Moreau, Ein Zentaur trägt den toten Dichter, um 1890, (wikicommons.org)

Über die „zeitgenössischen“ Lyriker – (Boshaftigkeiten 4)


Sie haben den Reim

Vergraben,

Die Form haben sie

Weggeworfen

Oder nie gekannt.


Sie künsteln

Und vertuschen

Ihre Gedanken

Durch Unnatürlichkeit.


Takt und Melodie

Lassen sie nur den

Den Musikern,

Und wenn die Muse,

Die Poesie

Zu ihnen spricht,

Stellen sie sich taub.


Gelegentlich

Vergisst jemand die Mode

Und schreibt

Gute Lyrik,

Weil er die Sprache

Liebt.


Sonntag, 21. Juni 2009

Der Parkplatz – (Boulevardskizzen 27)


Foto: Parkplatz mit einer einbetonierten Pinie bei Monte San Biagio, Italien, Mai 2009, (wikicommons.org)

Der Parkplatz – (Boulevardskizzen 27)


Ein leerer Parkplatz

Am frühen Sonntagmorgen

In der Stadt –

Von Menschen

Erzeugte Wüste,

Die die ganze Sinnlosigkeit

Ihres Strebens zeigt.

Schamlose, brutale Öde,

Ohne jedes kleinste

Stückchen Anmut.


Fassungslos,

Hilflos, fast wütend

Sehe ich diesen Schandfleck

Zum hundertsten Mal,

Und habe kein

Mitleid mit uns.


Samstag, 20. Juni 2009

Abendschwühle


Bild: Daniel Ridgway Knight, Sommerabend, 1897, (wikicommons.org)

Abendschwüle


So schläfrig ist der schwüle Tag.

Die dumpfen Sakrilege schwitzen

Vor einem hölzernen Verschlag,

Wo in der Sonne Alte sitzen.


Es hört der Abend gar nicht auf;

Noch immer sitzen dort die Alten.

Ich warte und weiß nicht worauf.

Ein Pärchen seh ich Händchen halten.


Die Trägheit kriecht um alle Ecken,

Ein Hund scheißt lustlos auf den Weg.

Ich will mich vor mir selbst verstecken,

Weil ich so sinnlos überleg.


Freitag, 19. Juni 2009

Traum(be)deutung


Bild: Hieronymus Bosch, Die Versuchung des heiligen Antonius, Mittelteil, um 1500, (wikicommons.org)

Traum(be)deutung


Kann man ohne Träume sehen? –

Ohne Bilder geht es nicht,

Und um diese zu verstehen,

Braucht es Phantasie und Licht.


Kann man ohne Träume leben? –

Das ist keine leere Frage,

Denn was uns die Träume geben,

Ist der Inhalt unsrer Tage.


Kann man ohne Träume lieben? –

Liebe ist ja selbst ein Traum!

Wenn wir ohne Träume blieben,

Dann ertrügen wir uns kaum.


Donnerstag, 18. Juni 2009

Der junge Bücherwurm


Bild: Gerbrand van den Eeckhout, Scholar mit seinen Büchern, 1671, (wikicommons.org)

Der junge Bücherwurm


Es nagt der junge Bücherwurm

Genüsslich am Papier.

„Wenn ich von diesem Bücherturm

Den Inhalt nicht kapier’,

Dann nicht aus Mangel an Int’resse,

Oh nein, ich lese nicht, ich fresse!


Ich habe alle Bücher gern,

Besonders dicke Wälzer,

Und bin den Büchern doch so fern,

Wie Bayern einem Pfälzer.

Ich weiß nicht, was ein Buch sein soll,

Ich find es nur zum Fressen toll.“


So sprach der junge Bücherwurm,

Dann wurde er erschlagen;

Es fiel auf ihn der Bücherturm,

Er musste ja dran nagen.

Bei Büchern ist der Inhalt wichtig,

Und das Drumrum ist meistens nichtig.


Mittwoch, 17. Juni 2009

Tagesaphorismus: Vom großen Kuchen


Bild: Adriaen Brouwer, Die Pfannkuchenbäcker, um 1625, (wikicommons.org)

Tagesaphorismus: Vom großen Kuchen


Gebt mir von dem großen Kuchen

Nur ein klitzekleines Stück.

Erstmal will ich ihn versuchen,

Vielleicht geb ich ´s ja zurück.


Ein neuer Tag


Bild: Albert Bierstadt, Sonnenaufgang im Wald, um 1880, (wikicommons.org)

Ein neuer Tag


Unterm Dach der alten Bäume

Legen sich die Elfen schlafen.

Sie verstecken meine Träume

Und die Wünsche, die sie trafen.


Wie die Nacht am Tage endet

Hab ich tausendmal gesehn.

Wie das Sternenbild sich wendet

Kann und muss ich nicht verstehn.


Wenn sich in der Morgenkühle

Rot der neue Tag erschafft,

Da genügen die Gefühle,

Ihre Nähe, ihre Kraft.


Ich und Himmel werden eins,

Das dann in sich selber ruht,

Und das Licht des Sonnenscheins

Überzeugt, gibt neuen Mut.


Dienstag, 16. Juni 2009

Grübeln


Bild: Raffaello Sanzio, Fresko: Die Schule von Athen; Detail - Michelangelo Buonarotti als Heraklit, 1509, (wikicommons.org)

Grübeln


Da grübele ich hin und her,

Und weiß am Ende gar nichts mehr.

Was nützt mir das Gegrübel?

Die Augenlieder werden schwer;

Auf einmal ist der Kopf so leer,

Und dann wird mir ganz übel.


Die Amsel singt ihr Abendlied.

Das ist der ganze Unterschied:

Sie tut ´s aus lauter Freude,

Nicht weil sie glaubt, sie müsste es.

Sie singt, und ich – ich Dummkopf les’;

Wie ich die Zeit vergeude!


Ich könnte längst schon draußen sein,

Da draußen zieht der Sommer ein,

Den ich so lang erträume.

Das Buch ist auch noch Morgen hier;

Jetzt brauch ich Wald und kein Papier.

Auf, dass ich nichts versäume!


Montag, 15. Juni 2009

Elsa Rieger - schmetterlingskuss


Bild: Francois Pascal Simon Gérard, Psyche und Amor, 1798, (wikicommons.org)

Elsa Rieger schrieb das folgende Gedicht zu meinem „Schmetterling und Libelle“:


schmetterlingskuss


mit der wange fing

ich deine blonde wimper ein


auf schwarze seide

in ein glas gelegt

versüßte sie die tage


ich nicke und lache:

mir geht es gut

aber ja


später

schüttle ich das tüchlein aus

am fenster zum garten


vom sommerflieder

zwinkert die sonne


Copyright: Elsa Rieger


Rosige Gedanken


Bild: Charles West Cope, Der Dorn, 1886, (wikicommons.org)

Rosige Gedanken


„Sag der Rose, dass ich welke;

Sie soll für mich weiter blühn“,

Sprach die Tulpe zu der Nelke,

Ließ noch mal den Kelch erglühn,

Dann verblich sie ohne Klage,

Wie das Morgenrot am Tage.


Und die Rose blühte prächtig,

Dachte aber an die Nelke:

„Ach, es ist so niederträchtig,

Dass ich selber einmal welke,

Blühe nur von Zeit zu Zeit,

Danach kommt das dunkle Kleid.


Gut, dass ich die Dornen habe;

Niemand soll mich straflos brechen,

Auch nicht im Gedicht der Knabe,

Sogar diesen werd ich stechen!

Meine rote Farbenglut

Lass ich leuchten, wie sein Blut.“


Kommentargedicht von Helmut Maier:


Sah ein Knab' ein Gedichtlein stehn,
war schön anzuhörn und -sehn,
las es voller Freuden.
Goethe kommt ihm drin so nah,
greifbar war der Alte da,
ihm wollt' er's nicht neiden
...

Copyright: Helmut Maier