Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

Verleger gesucht!

Achtung: Haiku veröffentliche ich ab sofort nur noch auf meiner website

Es gelten die rechtlichen Hinweise, wie auf meiner homepage.siehe:

Willkommen bei meinen Worten und Gedanken. Schreibt mir, wenn ihr etwas dazu meint. Meine E-Mail Adresse:
spinger.paul@googlemail.com

Für Teilnehmer und Freunde meiner freien Seminare steht ab sofort folgende Seite zur Verfügung:
https://sites.google.com/site/paulsweltliteratur/

Hörbares von mir: http://paul-spinger.podspot.de

Freitag, 31. Juli 2009

Der Landser – (Die kleine Kriegsfibel 4)


Bild: Albrecht Dürer, Ritter, Tod und Teufel, 1513, (wikicommons.org)

Der Landser – (Die kleine Kriegsfibel 4)


Treuer Diener für den Staat,

Das ist der Berufssoldat,

Landsknecht voran!

Immer noch das alte Lied,

Sag, wo ist der Unterschied?

Landsknecht und dann?


Weil sein Handwerk töten ist,

Wird er niemals Zivilist,

Landsknecht voran!

Nur ein toter Feind ist gut,

Drum vergießt er Menschblut,

Landsknecht geht ran!


Immer hasst er die Kritik,

Kämpft für Reich und Republik,

Landsknecht voran!

Und ein echter Demokrat

Ist niemals Berufssoldat,

Landsknecht, sag an!


Donnerstag, 30. Juli 2009

Ein gefangener Taliban-Krieger erzählt: - (Die kleine Kriegs-Fibel 3)


Bild: Koranhandschrift aus Kaschmir aus dem 18. Jahrhundert, (wikicommons.org)

سُوۡرَةُ الکافِرون

بِسۡمِ ٱللهِ ٱلرَّحۡمَـٰنِ ٱلرَّحِيمِ

قُلۡ يَـٰٓأَيُّہَا ٱلۡڪَـٰفِرُونَ (١)

لَآ أَعۡبُدُ مَا تَعۡبُدُونَ (٢)

وَلَآ أَنتُمۡ عَـٰبِدُونَ مَآ أَعۡبُدُ (٣)

وَلَآ أَنَا۟ عَابِدٌ۬ مَّا عَبَدتُّمۡ (٤)

وَلَآ أَنتُمۡ عَـٰبِدُونَ مَآ أَعۡبُدُ (٥)

لَكُمۡ دِينُكُمۡ وَلِىَ دِينِ (٦)


(Koran-Sure 109, Die Ungläubigen)


Ein gefangener Taliban-Krieger erzählt: - (Die kleine Kriegs-Fibel 3)


Auch wenn ihr meine Sprache sprechen würdet:

Wir verstehen euch nicht,

Und ihr versteht uns nicht.

Das was wir verehren, kennt ihr nicht,

Und wir kennen nichts, was ihr verehrt.

Ihr habt euren Unglauben

Und wir glauben an die Weisheit des Islam.


Geht zurück in euer Land,

Denn es kann keinen Frieden

Zwischen uns geben.


Wunschorte – ein Sommerlied


Bild: Evelyn de Morgan, Flora, 1894, (wikicommons.org)

Wunschorte – ein Sommerlied


Da will ich hingehn, wo die Blumen tanzen.

Sie duften, und es wär genug,

Wenn ich vom riesengroßen Ganzen

Ein kleines Stück im Herzen trug.


Da will ich sein, wo Bäume sprechen.

Sie wachsen und sind wunderweise.

Oft darf ich mir ein Zweiglein brechen,

Dann seufzen sie ganz sacht und leise.


Da will ich bleiben, wo die Vögel singen.

Sie singen ohne ganz bestimmten Sinn.

Ihr Liedchen soll in meine Seele dringen,

Und mir erzählen, dass ich selber bin.


Mittwoch, 29. Juli 2009

Axel zieht um


Bild: Ambrose Vermersch, Der Marktplatz in Braunschweig, 1845, (wikicommons.org)

Axel zieht um


Die letzte Kiste ist gepackt,

Die Wäsche alle eingesackt,

Auch das Regal ist von der Wand;

Es ist nicht viel, doch allerhand.


Du ziehst in eine neue Stadt,

Die größer ist und Arbeit hat.

Du hoffst auf eine neue Zeit,

Nur um die Freunde tut’s dir leid.


Machs gut, mach das, was dir gefällt,

Bist ja nicht völlig aus der Welt.

Denk nicht mit wehem Mut zurück,

Und gönn dir selbst dein kleines Glück.


Dienstag, 28. Juli 2009

Nachgefragt – (Die kleine Kriegs-Fibel 2)


Bild: Jean Baptiste Edouard Detaille, Der Traum, 1888, (wikicommons.org)

Nachgefragt – (Die kleine Kriegs-Fibel 2)


Wer ist schon damit einverstanden,

Dass sie ihn wieder neu erfanden,

Den guten Krieg?

Noch traun sie sich nicht „Krieg“ zu sagen,

Wenn sie den Taliban erschlagen;

Ist das ein Sieg?


Dass die Soldaten Mörder sind,

Das wusste früher jedes Kind,

Und wieder klopf ich auf den Busch:

Ist es denn jetzt schon wieder Norm,

Dass Mann in einer Uniform,

Darf töten dort am Hindukusch?


Heimkehrer-Song – (Die kleine Kriegs-Fibel 1)


Bild: James Jaques Joseph Tissot, Am Schießstand, 1869, (wikicommons.org)

Heimkehrer-Song – (Die kleine Kriegs-Fibel 1)


Da sehe ich beim Schützenfest,

Die Uniformen und den Rest,

Oh je!

Lasst mich nicht an die Waffen ran,

Denn ich war in Afghanistan

Im Schnee.


Davor war ich im Kosovo,

Die Dummys waren nicht aus Stroh,

Oh nein!

Sie schossen und ich schoss zurück,

Ich lebe noch, ich hatte Glück,

Lass sein.


Ach bitte, gib mir kein Gewehr,

Ich hab es sowieso schon schwer,

Oh graus.

Ich ducke vor dem Hollerbusch,

Zu lang war ich im Hindukusch,

`S ist aus.


Du fragst warum ich Däumchen dreh:

Ich zittre, wenn ich Menschen seh,

Mama.

Ich war beim Bundes-Schützen-Bund,

Jetzt bin ich krank und nicht gesund,

Hurra!


Montag, 27. Juli 2009

Sommerstimmung


Bild: Adolf Stabli, Gewitter über sommerlicher Flußlandschaft, um 1890, (wikicommons.org)

Sommerstimmung


Der Sommer kommt mir diesmal vor,

Als hätt’ ich ihn noch nie erlebt,

Als ob ein alter Männerchor

Zum letzten Mal die Stimme hebt.


Ein Igel putzt den Regenwurm,

Bevor er ihn hinunterschlingt.

Ist das die Ruhe vor dem Sturm,

Den uns die Erderwärmung bringt? -


Da ist die Schwüle nackt zu greifen,

Die Amseln warten aufs Gewitter.

Ich sehe Äpfel, Birnen reifen,

Die Stachelbeeren schmecken bitter.


Sonntag, 26. Juli 2009

Das Glück im Baum


Bild: Jules Breton, Eingeschlafen im Wald, 1877, (wikicommons.org)

Das Glück im Baum


Das was war ist lange fort;

Sehnsucht bringt es nicht zurück.

Niemand kennt das Zauberwort

Für das längst vergang’ne Glück.


Altes Glück und neue Liebe,

Wer hat nicht danach gestrebt!

Wenn nichts davon übrig bliebe,

Hätte man umsonst gelebt.


„Ganze Tage in den Bäumen“ –

Wie die Wirklichkeit sich wandelt!

Ach, es fällt nicht schwer zu träumen,

Wenn der Traum vom Wünschen handelt.


Bei den Bäumen Nähe finden

Ist bestimmt ein kleines Glück.

Leg die Hand auf Baumesrinden,

Und du findest dich ein Stück.


Samstag, 25. Juli 2009

Sommerabend am Teich


Bild: Edward Robert Hughes, Mittsommerabend, um 1900, (wikicommons.org)

Sommerabend am Teich


Am Abend schmückt sich selbst der Troll

Mit seinem bunten Firlefanz,

Damit man ihn bewundern soll; -

Die Elfe aber sagt ich tanz.


Die Elfe tanzt für meine Fee,

Vielleicht ein bisschen auch für mich.

Es ist genug, dass ich sie seh,

Und diesen Tanz genieße ich.


Im Sommer scheut er den Vergleich

Mit all den Märchenreichen nicht,

So farbenprächtig ist mein Teich,

Des Abends spät im Sommerlicht.


Freitag, 24. Juli 2009

Die Maus lebt - (Kinderreime)


Bild: Georg Flegel, Sillleben mit Maus und Papagei, um 1615, (zeno.org)

Die Maus lebt - (Kinderreime)


Es ging das Katzenfutter aus,

Der Kater hat nichts mehr zum Fressen.

Trotz Mühe fängt er keine Maus,

Denn wie das geht, hat er vergessen.


Das Mäuschen ist ein kluger Nager,

Lässt sich auch nicht vom Speck verlocken,

Der Kater ist nur ein Versager:

Das kommt vom hinterm Ofen hocken.


Jetzt tanzt die kleine Maus ganz frech

Dem trägen Kater vor den Augen,

Und für den Kater ist es Pech,

Dass seine Krallen gar nichts taugen.


Donnerstag, 23. Juli 2009

Dumme Vergleiche


Bild: Lowrens Hanedoes, Eiche in der Küstenlandschaft bei Le Havre, um 1900, (wikicommons.org)

Dumme Vergleiche


So zäh wie Leder bin ich nicht,

Bin manchmal sehr empfindlich:

Mir treibt ´s die Röte ins Gesicht,

Und oft bin ich recht kindlich.


Ich will nicht hart wie Krupp-Stahl sein,

Gefühle sind mir wichtig;

Geht mir die Angst durch Mark und Bein,

Dann ist das meistens richtig.


Die große Eiche stand allein,

Drum traf sie ja der Blitz.

Ich möchte keine Eiche sein,

Das wäre auch ein Witz.


Mittwoch, 22. Juli 2009

Der Diamant


Bild: Hier, im Rathaus Wernigerode, wurden Marianne und Helmut Schulz am 22. Juli 1949 , heute vor sechzig Jahren, getraut. (wikicommons.org)

Der Diamant

Zur diamantenen Hochzeit von Marianne und Helmut Schulz


Diamanten sind Symbole

Für die Dauer langer Zeit,

Harter Stein aus schwarzer Kohle,

Zeichen für die Ewigkeit.


Frag dein Herz nach Diamanten,

Denk nicht an den toten Stein,

Frag bei Freunden und Bekannten,

Du wirst selten fündig sein.


Denn was dauert sechzig Jahre

Für die Menschen und ihr Treiben!

Und es grenzt ans Wunderbare

Ist es das Zusammenbleiben.


Alle Jubeljahre wieder,

Fällt, wer weiß von welcher Hand,

Sternenstaub auf uns hernieder;

Diesmal ist ´s ein Diamant.


Dienstag, 21. Juli 2009

Tagesaphorismus: Behauptung


Bild: William Blake, Amerika, 1793, (zeno.org)

Tagesaphorismus: Behauptung


Amerika ist eine Erfindung von Coca-Cola und Daniel Düsentrieb.


Am Ende der Nacht


Bild: John Atkinson Grimshaw, Mittsommernacht, 1876, (wikicommons.org)

Am Ende der Nacht


Die Nacht ist bald vorbei;

Ein Traum ist schnell vergessen,

Er ist so luftig frei,

Ich hab ihn kaum besessen.


Die Amsel ist schon wach.

Sie singt ihr Lied am Morgen,

Und unter manchem Dach

Erwachen jetzt die Sorgen.


Die Nacht geht jetzt zur Ruh,

Der Traum ist bei den Sternen.

Ich seh dem Neumond zu,

Er wird sich nicht entfernen.


Montag, 20. Juli 2009

Jogging vor dem Sommergewitter


Bild: Iwan Iwanowitsch Schischkin, Ein Roggenfeld, 1878, (wikicommons.org)

Jogging vor dem Sommergewitter


Sie ernten schon den Winterroggen,

Der Sommer meint es diesmal richtig gut.

Ich seh die Nachbarin beim Joggen,

Das macht sie immer in der Mittagsglut.


Ich lass sie; (Soll sie sich doch schinden.)

Und setz mich in den Schatten unter einer Weide.

Ein ruhiges Plätzchen lässt sich immer finden,

(Und bin recht froh, dass ich nicht unter Fitness leide.)


Die Hummeln torkeln aus den vollen Blüten,

Sie summen mich in einen kleinen Traum,

Und weil dann ein paar Wespen sich um mich bemühten,

Setz ich mich unter einen andern Baum.


Von ferne hör ich leis den Donner grollen,

Nach Hause lauf ich, denn sonst werd ich nass.

Ich treff die Nachbarin, sie ist am Schmollen,

Weil ich sie ganz alleine joggen lass.


Sonntag, 19. Juli 2009

Mondlicht-Rap


Bild: Evelyn de Morgan, Luna, um 1900, (wikicommons.org)

Mondlicht-Rap


Manchmal jaulen nachts die Hunde,

Kranke stöhnen und Gesunde,

Und im Mondlicht ist es immer

Lauter und um vieles schlimmer.


Auch wenn wir es kaum begreifen,

Dringen diese Silberstreifen,

Diese feinen, zarten Fäden

Nachts durch unsre Fensterläden.


Dann entstehen die Geschichten,

Die die Märchen uns berichten,

Vor der Frau, dem Mann im Mond;

Niemand weiß wer noch dort wohnt.


Samstag, 18. Juli 2009

Ich und Nietzsche


Bild: Hans Olde, Porträt von Friedrich Nietzsche, um 1895, (wikicommons.org)

Ich und Nietzsche


Beim Doktor bin ich wieder nicht gewesen,

Und spüre wie der kranke Rücken schmerzt;

Ich habe meine E-Mails nicht gelesen,

Und mit Elfriede hab ich ´s auch verscherzt.


So bin ich nicht, wie ´s alle gerne hätten,

Zu wenig tu ich und dann manches schlecht.

Ich rauche gerne meine Zigaretten,

Und den Mormonen mach ich ´s auch nicht recht.


Ich bin nur ich, mit allen meinen Schwächen;

Die kenn ich, und sie sind mir oft egal.

Ich hab heut keine Lust mit mir zu sprechen -

Den Nietzsche stell ich wieder ins Regal.


Freitag, 17. Juli 2009

Krümmel


Bild: Thomas Cooper Gotch, Die Todesbraut, um 1900, (wikicommons.org)

Krümmel


Der Sommervogel singt nicht mehr,

Sie haben ihn vergiftet,

Und irgendjemand, irgendwer,

Hat ihm ein Lied gestiftet.


Das Lied klingt schrecklich und morbid,

So falsch, dass ich mich grause;

Es ist ja auch ein Totenlied

Jetzt in der Sommerpause.


Das Gift ist lautlos und es strahlt

Zu allen Jahreszeiten;

Mit Tod und Leukämie bezahlt,

Wird es uns lang begleiten.


Der Sommervogel lebt nicht mehr,

Nie mehr fliegt er nach Norden.

Ein Vögelchen, das wiegt nicht schwer,

Sie konnten es ermorden.


Donnerstag, 16. Juli 2009

Im Hochsommer


Bild: Eduoard Bisson, Sommer, 1909, (wikicommons.org)

Im Hochsommer


Wie der große Sommer lacht!

Seine schweren, heißen Farben

Sind aus Überfluss gemacht;

Es verneigen sich die Garben


Vor dem Klatschmohn, vor der Warte.

Jede blaue Blume blüht. -

Wie das Heidekraut, das zarte,

Jetzt schon in der Sonne glüht!


Und die Hitze wird mir bitter

In den oft zu heißen Tagen;

Bringt die Sehnsucht ein Gewitter?,

Denn dann könnte ich ´s ertragen.


Fernweh kriecht durch alle Felder;

Lust auf Schatten lenkt die Schritte

In die Tiefe alter Wälder;

Das ist meine Sommermitte.


Mittwoch, 15. Juli 2009

Ungebügelt


Bild: Edgar Degas, Bügelnde Frauen, 1884-86, (wikicommons.org)

Ungebügelt


Wie der Mensch sich seltsam bettet!

Immer schön das Laken plättet,

Will von Falten gar nichts wissen,

Und schon gar nicht in den Kissen.


Alles eitel, Selbstbetrug!

Bügle nur den Bettbezug,

Glättest ja die Falten nicht,

Nämlich jene im Gesicht.