
Bild: Thoraschrein der Synagogengemeinde in Springe bis 1938
Hutlos
Es kommt schon vor,
Dass ich eine Mütze aufsetze,
Wenn es richtig kalt ist.
Noch nie
Habe ich einen Hut gehabt.
So muss ich
Vor nichts und niemandem
Den Hut ziehen.
Ehrfurcht ist anders.
Wenn ich den
Jüdischen Friedhof besuche,
Leihe ich mir eine Kippa.
3 Kommentare:
Lieber Paul,
Das ist ein sehr interessantes Gedicht, das mit einer Schlichtheit daherkommt, die lässig scheint.
Aber was sagst du da alles aus.
Dieses Gedicht ist ein Bekenntnis, und doch ist es noch viel mehr. Es beinhaltet Geschichte.
Mit dem Wort "Ehrfurcht", diesem wie zufällig gefundenen Begriff, der sich aus der Gegenüberstellung von Mütze und Hut (den Du nie gebraucht hast - wozu auch!)ergibt und sich da plötzlich wie ein Angel/Drehpunkt verhält, gehst Du auf die andere Ebene, so ganz lakonisch...
...und beginnst zu erzählen und das Gedicht weitet sich...
Ich finde, es ist ein ganz großartiges Gedicht.
Gabriele
Lieber Paul,
Daumenhoch für dieses Werk!
Herzlich,
ELsa
Kommentare die mich gerade bei diesem Gedicht besonders freuen. Danke schön.
Kommentar veröffentlichen