Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

Verleger gesucht!

Achtung: Haiku veröffentliche ich ab sofort nur noch auf meiner website

Es gelten die rechtlichen Hinweise, wie auf meiner homepage.siehe:

Willkommen bei meinen Worten und Gedanken. Schreibt mir, wenn ihr etwas dazu meint. Meine E-Mail Adresse:
spinger.paul@googlemail.com

Für Teilnehmer und Freunde meiner freien Seminare steht ab sofort folgende Seite zur Verfügung:
https://sites.google.com/site/paulsweltliteratur/

Hörbares von mir: http://paul-spinger.podspot.de

Mittwoch, 15. Juli 2009

Ungebügelt


Bild: Edgar Degas, Bügelnde Frauen, 1884-86, (wikicommons.org)

Ungebügelt


Wie der Mensch sich seltsam bettet!

Immer schön das Laken plättet,

Will von Falten gar nichts wissen,

Und schon gar nicht in den Kissen.


Alles eitel, Selbstbetrug!

Bügle nur den Bettbezug,

Glättest ja die Falten nicht,

Nämlich jene im Gesicht.


Dienstag, 14. Juli 2009

Nacht in der Stadt – (Boulevardskizzen 31)


Bild: Ludwik de Laveaux, Pariser Oper bei Nacht, 1892/93, (wikicommons.org)

Nacht in der Stadt – (Boulevardskizzen 31)


In der Stadt

Sind viele Nächte

Nur deshalb dunkel,

Weil die Straßenbeleuchtung

Eingeschaltet ist.


Wer kann schon

Die tausend Himmelslichter

Erkennen,

Wenn Straßenlaternen

Die Dunkelheit für

Angekommen erklären?


Montag, 13. Juli 2009

Park im Regen


Bild: Frederick Leighton, Einsamkeit, um 1890, (wikicommons.org)

Park im Regen


Im Park hat alles Treiben seine Ecken;

Dort drüben trinkt der Berber ruhig sein Bier,

Da spielen Kinder fangen und verstecken,

Und ganz dort hinten hat der Junkie sein Revier.


Wenn´s regnet ist der Park von Menschen leer;

Ganz einsam dreht ein Jogger seinen Kreis;

Die nassen Bänke stehen kreuz und quer

Und von den alten Bäumen tropft es leis.


Der leere Park vergisst jetzt seine Stadt,

Er kommt sich selbst ein kleines Stückchen nah,

Und weil er keine Menschen in sich hat,

Lässt er es regnen – und ist irgendwie nur da.


Sonntag, 12. Juli 2009

Unsterblich


Bild: Lawrence Alma-Tadema, Lesbia weint über einen Sperling, 1866, (wikicommons.org)

Unsterblich


Was es von der

Unsterblichkeit der Seele

Zu wissen gibt,

Lasse ich mir

Von den Sperlingen erzählen.


Aber ich fürchte mich davor,

Eines Tages

Nichts mehr

Zu fürchten.


Samstag, 11. Juli 2009

Des Pudels Kern


Bild: Johann Heinrich Ramberg, Faust und der Pudel, 1828, (wikicommons.org)

Des Pudels Kern


Ein Dichter sucht des Pudels Kern,

Den Strolch in seiner Seele,

Zuweilen eifrig und auch gern,

Und gibt ihm dann Befehle.


Der Pudel bellt im Labyrinth

An jeder falschen Mauer,

Und weil er keinen Ausgang find’

Legt er sich auf die Lauer,


Und beißt sich in den Wörtern fest,

Oft völlig unerwartet;

Er lässt nicht los, wenn man ihn lässt;

Drum Vorsicht, wenn er startet!


Freitag, 10. Juli 2009

Mein Häuschen


Bild: Helen Mary Elizabeth Allingham, Häuschen mit Sonnenblumen in Peaslake, Surrey, um 1900, (wikicommons.org)

Mein Häuschen


Mein Häuschen ist auf Sand gebaut,

Den man sonst in die Augen streut;

Und hätt’ ich nicht dem Traum vertraut,

Hätt’ ich den Hausbau wohl gescheut.


Aus Steinen, die ich niemals warf,

Besteht das lose Fundament;

‚s ist fest genug für den Bedarf,

Den jeder aus den Märchen kennt.


Wie putzig seine Fenster sind!

Die Muse fliegt dort ein und aus,

Und manchmal hebt ein Wirbelwind

Es in die Luft, mein kleines Haus.


Donnerstag, 9. Juli 2009

Der ängstliche Reiter


Bild: Edgar Germain Hilaire Degas, Reiter, 1873, (zeno.org)

Der ängstliche Reiter


„Ich glaub das Pferd hier mag mich nicht,

Was soll ich denn jetzt tun?“

Ein armer Mensch ist ´s, der so spricht,

Denn wenn den Gaul der Hafer sticht,

Dann lässt man ihn halt ruhn.


Ein Pferd mit seinem eignen Kopf,

Viel größer als der deine,

Ist nichts für dich, du armer Tropf.

Pack die Gelegenheit am Schopf

Und lass das Pferd alleine.


Mittwoch, 8. Juli 2009

Brombeeren


Bild: Raphaelle Peale, Brombeeren, um 1800, (wikicommons.org)

Brombeeren


Wo die Feen sich verstecken,

Und ihr Tänzeln mich entzückt,

Hab ich von den Brombeerhecken

Viele Hände voll gepflückt,


Aß die Beeren ungewaschen;

Ach, wie wunderbar sie schmeckten!

Jetzt willst du mich überraschen,

Mit gekauften. – Die Insekten


Haben diese wohl verschmäht,

Auch wenn auf den Etiketten

„Bio“ und „Natur“ drauf steht,

So wie wir das gerne hätten.


Nein, im Wald gibt’s keine Beeren

Ohne Würmer, Käfer, Maden,

Und wenn die sie gern verzehren,

Können sie auch mir nicht schaden.


Dienstag, 7. Juli 2009

Auf ein Kompliment hin


Bild: Emile Deroy, Porträt von Charles Baudelaire, 1844, (wikicommons.org)

Auf ein Kompliment hin


Was steckst du mich in einen Topf

Mit jenen großen Dichtern?

Ich habe meinen eignen Kopf,

Und halte nichts von Richtern.


Ich möchte nicht wie Rilke sein,

Und ganz bestimmt nicht wie Baudelaire,

Doch könnte ich ´s mir nicht verzeihn,

Wenn ich nicht wie ich selber wär.


Kommentargedicht von Fabian:


Das ist gut, das muss ich sagen

ohne groß drum´rum zu schweifen

der Dichter hat sich oft zu plagen

sein eigen Ich ganz fest zu greifen.


Copyright: Fabian Tietz



Montag, 6. Juli 2009

Die Leserin – (Boshaftigkeiten 6)


Bild: Karl Raupp, Leserin unter einem Baum, 1874, (wikicommons.org)

Die Leserin – (Boshaftigkeiten 6)


Sie sitzt alleine unterm Baum,

Und liest in ihrem Buch.

Ist sie die Frau aus meinem Traum,

Die ich schon lange such?


Es ist so niedlich anzusehn,

Wie sie da sitzt und liest.

Ich könnte zu ihr rüber gehn,

Sie ist bestimmt kein Biest.


Gekleidet ist sie ganz in weiß,

Das Alter würde passen.

Doch leider liest sie einen Scheiß,

Und darum werd ich ´s lassen.