Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Sonntag, 6. April 2008

"Im Märzen der Bauer..."


Bild: Francois-Andre Vincent,
La Lecon de labourage, um 1795, (wikicommons.org)|

„Im Märzen der Bauer …“

Was wissen wir von Frühling jetzt,
Wo er doch kaum begonnen hat? –
Mit Bildern ist er reich besetzt,
Und findet in den Köpfen statt.

Im Kopf, im Herzen, nicht da draußen!
Auch wenn die Tage länger werden,
Man kann noch nicht im Freien hausen,
Drum langsam mit den jungen Pferden.

Samstag, 5. April 2008

Mein Erbe


Bild: Vincent Willem van Gogh, Ein Paar Schuhe, 1886, (zeno.org)

Mein Erbe

In diesen staubbedeckten Schuhen,
Ich trage sie seit Jahr und Tag,
Vom Vater sind sie, der darf ruhen,
Ich trag sie jetzt, weil ich sie mag.

Ja, diese oft geflickten Schuhe,
Wie häufig waren sie zu groß!
Jetzt finde ich in ihnen Ruhe
Und meine Füße sind nicht bloß.

Die Schuhe, manchmal nur Sandalen,
Hab ich ganz oft nicht zu gebunden,
Doch so beim leise Bilder malen,
Hab ich genügend Halt gefunden.

Adieu


Bild: Henri Toulouse-Lautrec, Adieu, 1895, (zeno.org)

Adieu

Zu viel Nähe, so viel Enge,
Lassen sich nur schwer ertragen.
Und schon gar nicht diese Zwänge,
Aus den immer gleichen Fragen.

Gerne helf ich, wenn ich kann,
Aber nicht durch selber leiden.
Sehr viel lieber will ich dann,
Doch für immer von dir scheiden.

Freitag, 4. April 2008

Wetterschelte


Bild: Claude Monet, Trübes Wetter oder Kirche auf den Klippen,
Varengeville, 1882, (zeno.org)

Wetterschelte

Mir nicht, dir nicht,
Überhaupt nicht
Will das Wetter heut gefallen.
Lirum, larum,
Aber darum
Ist ´s das Wetter von uns allen.

Eine völlig andre Strophe,
Wär die Klimakatastrophe.

Donnerstag, 3. April 2008

Entführungsversuch


Bild: Isaak Ilitsch Lewitan, Birkenhain, 1885 bis 1889, (zeno.org)

Entführungsversuch

Lass die Alltagsdinge liegen!
Komm mit mir ins Märchenland,
Wo die Guten immer siegen,
Wenn das Märchen ich erfand!

Mal dir meine Bilder aus,
Lass sie laufen, lass sie wirken!
Baue dir ein Hexenhaus
Dorthin zu den jungen Birken.

Dann zieh ein dort, in das Häuschen,
Das nur dir gefallen muss. -
Ich nur spiel ein bisschen Mäuschen,
Denn ich such den Märchenschluss.

Schokolade sprichwörtlich


Bild: Heiße Schokolade, (wikicommons.org)

Schokolade sprichwörtlich

Auch mit Tee und Schokolade
Ist das Leben nicht gerade
Nur das reine Zuckerschlecken:
Und man muss noch dran verrecken.

Aber ohne Schokolade,
Wär das Ganze jammerschade,
Und es wär zum Mäusemelken,
Würd man ohne sie verwelken.

Vor dem Ersaufen


Bild: El Greco, Das fünfte Siegel der Apokalypse,
1608 bis 1614, (zeno.org)

Vor dem Ersaufen

Versuchst auch du am weißen Rand
Die alten Wasser zu verstehn?
Und jeden Tümpel, der sich fand
Auf trocknen Füßen zu umgehn?

Tritt ruhig hinein, mit festem Schritt!
In Tümpeln sind die Wasser seicht;
Sei ´s denn, dass dich der Teufel ritt,
Und ´s Wasser bis zum Halse reicht!

Mittwoch, 2. April 2008

Atem


Bild: Franz von Stuck, Wind und Welle, 1927, (zeno.org)

Da ist ein Text,
Der zu mir spricht;
Und aus ihm wächst
Mir ein Gedicht:

„der wint

un wider is ess der wint
woss sucht majn nefesch –
un wider is ess der wint.“

Rajzel Zychlinski


Atem

Mein Atem trifft den Wind,
Der Wind trifft meinen Atem.
Weil sie zusammen sind
Nur Eines – Wind und Atem.

Bild: Kawanabi Kyosai, Rabe, 19. Jh., (zeno.org)

Ein Gedichtchen wollt ich schreiben,
Aber es misslang,
Weil ´s mir so im Alltagstreiben
Einfach nicht gelang,
Jene Stimmung raus zu schinden,
Die die Wörter selbst empfinden.

Das Gedichtchen ist ganz klein;
Ist es keins, dann ist ´s ein Reim.
(Auch mal ein unechter!)

Aprilscherz

Uhu ruckt am Zuck
Kuckuck singt guck guck
Pirol pfeift April
Rabe ist heut still

Nur Raben, die nach Aasen lechzen
Die sitzen auf dem Baum und krächzen

Dienstag, 1. April 2008

Euterpe erzählt lachend


Bild: Edouard Manet, Dame mit Fächer, 1862,
(zeno.org)
[Baudelaires "Jeanne Duval"]

Euterpe* erzählt lachend

Das bin ich, zwischenmenschliches Dazwischen,
Trost auch, und manchmal einfach Spaß.
Ich nutze nicht, und halt auch nichts von Fischen,
Die Steine hör ich wachsen und das Gras.

*Anmerkung: Euterpe gilt als Muse der lyrischen Poesie.