Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Dienstag, 1. April 2008

Montag, 31. März 2008

Die Leiche loswerden


Bild: Frans Hals, Junger Mann mit Totenkopf (Vanitas-Darstellung),
1626 bis 1628, (zeno.org)

Die Leiche loswerden

Wir fütterten die Leiche mit Absinth,
Und hofften, dass sie ´s noch ne Weile macht.
Die meisten sagten zu uns nur „Ihr spinnt“,
Und wir? – Wir haben einfach nur gelacht.

Bis wir die Leiche losgeworden sind,
Hat eine schrecklich lange Zeit gedauert:
Sie stank nach altem Tabak und Absinth,
Obwohl sie tot war, hat sie uns belauert.

Jetzt lauert sie von weitem, guckt uns zu.
Zu unserm Tun hat sie ihr Totengrinsen aufgesetzt.
Das stört uns nicht, wir lassen sie in Ruh,
Doch weil sie dort ist, sind wir irgendwie verletzt.

Vorstadtzug S5


Bild: Egon Schiele, Vorstadt, 1914, (zeno.org)

Vorstadtzug S5

Es beißt der alte Zeitenzahn
Schon Ziegel vom Gefüge.
Und weil das niemand ändern kann,
Wär` Zukunft eine Lüge.

Der Bummelzug schleicht grad vorbei;
Es rostet auch die Schiene,
Und manche Neuheit meint, sie sei
Schon selbst eine Ruine.

Sonntag, 30. März 2008

Innerer Frühling


Bild: Jean-Francois Millet, Frühling (Daphnis und Cloe),
1865, (wikicommons.org)_

Innerer Frühling

Wie das Herz sich leicht verwandelt,
Durch die milde Frühlingsluft!
Wie viel leichter man jetzt handelt,
Wenn es uns nach draußen ruft!

Immer scheint uns Winter schwer,
Auch wenn er recht milde war,
Und er ist uns hinterher
Nur noch dunkel vorstellbar.

Doch die Zeit der Kerzenlichter,
Sie kommt wieder, ganz bestimmt,
Jene helleren Gesichter,
Deren Glanz dir keiner nimmt.

Sommerzeit!

Bild: zeno.org
Sommerzeit!

Basta! Jetzt ist Sommerzeit!
Wehe, wenn es noch mal schneit!
Dann schließ ich mich ein.
Wenn sie uns die Stunde stehlen,
Und uns „Sommerzeit“ befehlen,
Soll ´s auch Sommer sein.

Im Mondlicht


Bild: Vincent Willem van Gogh, Spaziergang im Mondlicht,
1890, (zeno.org)

Im Mondlicht

Ein Stern hat keine Absicht,
Der Mond macht keinen Sinn;
Und doch weiß ich im Mondlicht
Erst, dass ich wirklich bin.

Wir werfen keinen Schatten
Auf unsern Lieblingsbaum,
Und nur wenn wir ermatten,
Dann endet dieser Traum.

Samstag, 29. März 2008

Auch ich


Bild: Hans am Ende, Frühling in Worpswede, 1900,
(wikicommons.org)

Auch ich

Komm mit zu der weißen Birke,
Die im hellen Grün dort blinkt,
Dass der Frühling auf uns wirke! -
Ach, ich weiß, ´s ist nur Instinkt.

Warum sollte mich das stören,
Wenn ich um die Dinge weiß?
Gerne lass ich mich betören,
Und lauf mit im Jahreskreis.

Mit wem im Bett?


Bild: Józef Rippl-Rónai, Frau im Bett, 1891, (zeno.org)

Mit wem im Bett?

Du legst dich abends neben deine Sorgen,
Und denkst sie werden etwas Ruhe geben,
Erwachst gerädert und genervt am Morgen,
Denn deine Sorgen führen stur ihr Eigenleben.

Du schläfst mit jemand, den du gar nicht magst?
Das ist bescheuert, und bestimmt nicht klug.
Und wenn du neben deinen Sorgen lagst,
Dann ist das Ganze auch noch Selbstbetrug.

Der Schuh


Bild: Edgar Germain Hilaire Degas,
Tänzerin in ihren Schuh schlüpfend, um 1874, (zeno.org)

Der Schuh

Den Eindruck hab ich, dass dich ´s drückt,
Im Schuh, das kleine Steinlein.
Mit Schotter war der Weg bestückt,
Du wolltest nicht allein sein.

Zieh ihn halt aus, den linken Schuh,
Und nachher auch den rechten.
Mach ´s dir bequem, und hör mir zu.
Vergiss den Weg, den schlechten!

Freitag, 28. März 2008

Märchenzeit


Bild: Franz von Bayros, Die Kuchen,
 Märchenbuchillustration, 1909, (zeno.org)

Märchenzeit

Bei unsern menschlichen Geschäften
Sind Märchenstunden oft sehr selten;
Und bei den meist begrenzten Kräften
Ist auch kaum Platz für Märchenwelten.

Doch einfach so zu existieren,
Ohne die Welt der Phantasie,
Das hieße jeden Sinn verlieren,
Und wäre gar nichts, irgendwie.