Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Dienstag, 4. Dezember 2007

Kleine Weisheit


Bild: Lorenzo Lotto, Allegorie der Weisheit,
1505, (zeno.org)

Kleine Weisheit

Wenn der Wind sich häufig dreht,
Weht er auch mal ins Gesicht.
Dieses Bild, das man versteht,
Sagt im folgenden Gedicht:

Nimm das Leben, wie es ist,
Du kannst gar nichts andres machen,
Aber nicht als Fatalist,
Denn dann kannst du nicht mehr lachen.

Auf geht ´s


Bild: Felix Vallotton, Die Trägheit, 1896 (zeno.org)

Auf geht ´s

Lebe wie du willst, doch lebe!
Einfach nur zu existieren,
Gar nichts richtig ausprobieren,
Alles immer in der Schwebe,
Lässt dich nie zufrieden sein,
Bleibst dann hoffnungslos allein.

Mache was du willst, doch mache!
Häng die Schnur nicht gar zu hoch,
Sag dir selber, es geht doch!
Was du tust sei deine Sache.
Du hast nur dies eine Leben,
Niemand wird dir noch eins geben.

Montag, 3. Dezember 2007

Romane lesen


Erstausgabe des "Robinson Crusoe", 1719, (wikipedia.org)

Romane lesen

Dass die Geschwindigkeiten stets sich ändern,
War mir bewusst, und ist doch furchtbar fern.
Oft bleibe ich gefangen in den fremden Ländern,
Bin ein Gefangener und bleib es eine Zeit ganz gern.

Da zaubert mir ein Schreiber alle Welt,
Und gibt mir auch ein Stückchen seiner Seele,
Auf dass sein Schreiben mir von Grunde auf gefällt,
Damit ich mich ganz einfach aus dem Alltag stehle.

Ungeduld


Bild: Sandro Botticelli, Die Verleumdung,
Ausschnitt, Der schlecht beratene Richter,
1495, (zeno.org)

Ungeduld

Immer wieder wartest du,
Auf Ereignisse, Termine,
Dass du rein wächst in die Schuh`
Selbst auf ´s Sprechen der Delphine.

Groß ist deine Ungeduld,
Und dann willst du es erzwingen.
Meistens bist du selber schuld,
Wenn die Dinge dann misslingen.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Wurzeln


Bild: wikicommons.org

Wurzeln

Wurzeln die im Dunkeln liegen,
Liegen selten brach.
Sieh, wie sich die Äste biegen!,
Dass noch keiner brach!

Wurzeln, Äste, Zweige, Rinde,
Nur zusammen lebt der Baum.
Wenn ich keine Wurzeln finde,
Merken es die Äste kaum.

Bilder schreiben


Bild: Wassily Kandinsky, Das rote Oval
(wikicommons.org)


Bilder schreiben

Wenn ich meine Bilder schreibe,
Sehe meist nur ich die Farben.
Frage nicht, was ich da treibe!
Manche Kunst liegt oft im Argen.

Es verbinden sich dann viele,
Rhythmus, Sprache und Musik,
Überwindet dann die Ziele
Aller lyrischen Physik.

Die ist schwierig zu verstehen,
Ist nicht reine Wissenschaft. –
Kannst auch du die Bilder sehen,
Habe ich ´s ein Stück geschafft.

Sektierer klingeln


Wikicommons.org

Die Sektierer - Sie müssen missionieren

Deine Wahrheit will ich nicht,
Die ist ganz bestimmt gefährlich.
Ja, ich sag ´s dir ins Gesicht,
Sie erscheint mir auch nicht ehrlich.

Rede du von Religion,
Überlass die Geister andern.
Meine eigene Vision
Wirst du niemals unterwandern.

Deinen Glauben will ich nicht,
Doch wenn er dich froh sein lässt,
Und die Seele nicht zerbricht,
Schenk ich mir den ganzen Rest.

Samstag, 1. Dezember 2007

Zeit der Märchen


Bild: Franz von Bayros, Goldwurzei, 1909 (zeno.org)

Zeit der Märchen

Manchmal, wenn es ihr gefällt,
Schläft sie fest, die Märchenwelt.
Dann lässt sie sich auch nicht wecken,
Und bleibt tief im Schlafe stecken.

Sie bestimmt, wann sie erwacht,
Sei das mitten in der Nacht. –
Märchen machen keine Fehler;
Ich bin nur der Nacherzähler.

Theatersterben


Bild: Honore Daumier, Melodram, vor 1860, (wikipedia.org)

Theatersterben

Altes Steckenpferd Theater,
Du bist leider nicht mehr „in“,
Bist schon lang nicht mehr der Vater
Der Kulturwelt. Du bist hin.

Bretter die die Welt bedeuten,
Gibt es leider längst nicht mehr.
Es gefällt den meisten Leuten
Besser, „Wer wird Millionär.“

Gut und Böse


Bild: Georges de La Tour, Maria Magdalena,
vor 1650, (wikicommons.org)

Gut und Böse

Die Menschen wollen immer zu den Guten zählen.
Ich tu es nicht, ich bin wie ich - und du;
Und die Moral die herrscht soll mich nicht quälen,
Er passt zu selten, dieser große Schuh.

Ich bin nicht böse, will es auch nicht sein,
Doch Engel spielen ist mir ganz zuwider.
Die Bösen und die Engel bleiben stets allein,
Und wiederholen nur die altbekannten Lieder.