Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Samstag, 8. August 2009

Tagesaphorismus: Krieg gegen Terror?


Bild: Wassilij Wassiljewitsch Wereschtschagin, Die Apotheose des Krieges, 1871, (wikicommons.org)

Tagesaphorismus: Krieg gegen Terror?


Die Dummheit der Terroristen, die mit Bomben Probleme lösen wollen, wird nur noch von der Idiotie der Militärs übertroffen, die glauben den Terrorismus militärisch beseitigen zu können.

Das Ganze ist also eine hervorragende Lage für die Waffenhändler und –Produzenten, die so in jedem Fall nur verdienen können. Nicht vergessen: Deutschland ist einer der größten Waffenexportteure der Welt, trotz aller angeblicher Kontrollen und Beschränkungen.

Und das ist dann unser Problem.


Anmerkung: Natürlich ist das kein echter Aphorismus, sondern eher eine Glosse.



Der Löwenzahn


Bild: Jean-Francois Millet, Löwenzahn, 1867/68, (wikicommons.org)

Der Löwenzahn


Löwenzahn, die Pusteblume,

Isst man auch mal als Salat;

Mitten auf der Ackerkrume

Macht er leider keinen Staat.


Leckerbissen für die Hasen,

Hab ihn oft als Kind gerupft,

Böses Unkraut für den Rasen,

Wird beharrlich rausgezupft.


Aber wer braucht einen Rasen?

Lieber ist mir eine Wiese.

Ich empfinde wie die Hasen,

Weil ich Wiesen mehr genieße!


Freitag, 7. August 2009

Brüssler Spitzen (-beamte) - (Boshaftigkeiten 7)


Bild: Thomas de Keyser, Constantijn Huygens uns sein Schreiber, 1627, (wikicommons.org)

Brüssler Spitzen (-beamte) - (Boshaftigkeiten 7)


Keinen Blick für das Gesamte;

Welch ein Paragraphenwimmel!

Olfaktorische Beamte

Extra für den Käseschimmel,


Für die Krümmung der Banane

Und die Farbe der Oliven,

Für den Fettgehalt der Sahne. –

Besser wäre es, sie schliefen


Hinter ihren Aktenbergen,

Aber noch viel besser wäre:

Schickt sie zu den sieben Zwergen,

Dann wär alles eine Märe.


Donnerstag, 6. August 2009

Sammelwut


Bild: Theodore Gerard, Das Sammlerstudio, um 1890, (wikicommons.org)

Sammelwut


Alles, alles sammeln wir,

Nur das Feinste, nur das Beste,

Treuepunkte, Altpapier,

Von der Feier noch die Reste,

Kronenkorken, Sammlertassen,

Portomarken, Farbcondome,

Kissen die zusammen passen,

Dialekte, Idiome,

Aber es gibt große Hürden,

Dass wir selbst uns sammeln würden.


Mittwoch, 5. August 2009

Lunamatischer Spiegel


Bild: Edward Charles Hallé, Luna, um 1900, (wikicommons.org)

Lunamatischer Spiegel


Monde spiegeln überall,

Einmal leer, dann wieder ganz,

Mineralisch im Kristall,

Schauerlicht beim Hexentanz.


Dieser alte Trost der Nacht,

Hoffungslicht der Dunkelheit,

Der mal weint, und wieder lacht

Ist der Freund der langen Zeit,


Aber auch der kurzen Weile,

Für Verliebte, für den Traum,

Den ich gerne mit dir teile –

Edles Maß für Zeit und Raum.


Dienstag, 4. August 2009

Trostlos


Bild: Georges Lepape, Titelseite der "Vanity Fair", Dezember 1919, (wikicommons.org)

Trostlos


Rauchen verboten -

Es ist trostlos.

Ich gehe nicht mehr hin.

Was ist schon eine

Beerdigung

Ohne die Zigarette

Danach.


Pünktlichkeit – (Boulevardskizzen 32)


Bild: Pieter de Hooch, Der Morgen eines jungen Mannes, 1681 (?), (wikicommons.org)

Pünktlichkeit – (Boulevardskizzen 32)


Heute geht die Sonne umsonst auf,

Weil ich nicht aufstehen möchte.

Aber

Die Vögel scheren sich

Einen Dreck um

Meine Lustlosigkeit;

Ihr Konzert findet,

Wie immer,

Pünktlich statt.


Mir bleibt nichts übrig,

Als die Fenster zu schließen

Oder aufzustehen.


Ich stehe auf

Und bin zur

Gewitterzeit im Park –

Pünktlich.


Montag, 3. August 2009

Sommerillusion


Bild: Egon Schiele, Schieles Wohnzimmer in Neulengbach, 1911, (wikicommons.org)

Sommerillusion

(Das Gedicht entstand nach Anregung durch das Gedicht

„Es ist nicht so“ von Elsa Rieger)


Es ist nicht so, dass ich sie brauche;

Na ja, ein kleines bisschen schon.

Ich sitze vorm Kaffee und rauche

Und sehn mich nach der Illusion.


Die Frauen tragen Sommerkleider;

Ich sehe der und jener nach.

Am Abend bin ich aber leider

Wieder allein im Schlafgemach.


Ich schäl’ mich schnell aus meinem Hemd,

Denn es ist Sommer, heiß, ich schwitze,

Und bin mir selber beinah fremd,

Weil ich hier so alleine sitze.


Es ist nicht so, dass ich sie wollte;

Na ja, ein kleines bisschen schon.

Dann sage ich zu mir, ich sollte

Das Bett beziehn - zur Illusion.


Sonntag, 2. August 2009

Afghanisches Bauernlied – (Die kleine Kriegsfibel 5)


Bild: Jean-Jules-Antoine Lecomte du Noüy, Der Opium-Raucher, um 1900, (wikicommons.org)

Afghanisches Bauernlied – (Die kleine Kriegsfibel 5)


Der Mohn ist aufgegangen,

Die grünen Kapseln prangen

Im Felde dick und klar;

Wir ritzen sie, dann steiget

Des Nachts, wenn alles schweiget,

Die rote Milch ganz wunderbar.


Die schwarze Kruste schaben

Wir danach ab und haben

Ein kleines bisschen Geld.

Der Khan will seine Steuer

Und alles ist so teuer

In dieser harten Welt.


So legt euch denn, ihr Brüder

In Allahs Namen nieder;

Das Opium ist Brauch.

Verschone uns mit Strafen

Und lass uns ruhig schlafen

Und diesen kranken Westen auch.


Samstag, 1. August 2009

Die Birkenwiese


Bild: Isaak Ilitsch Lewitan, Birkenhain, 1885 - 89, (wikicommons.org)

Die Birkenwiese


Um sich greift die Mittagsstille,

Selbst der Wind ist regungslos.

Irgendwo zirpt eine Grille;

Leg die Hände in den Schoß.


Staune, wie die Hummeln taumeln,

Wie die Bienen Nektar trinken;

Lass jetzt deine Seele baumeln

Und dich auf die Wiese sinken.


Träume in die blaue Weite,

Lass die ganze Wiese wirken.

Leg das Schwere auf die Seite,

Mach es wie die weißen Birken,


Werde selbst ein Teil der Wiese,

Warte nicht, stell dich nicht dar;

Sei du selber und genieße

Dieses Dasein – wunderbar.