Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Sonntag, 1. Juli 2012

Im (blätter-) Wald


Bild: Johannes Fijt, Kräuterstück mit Hasen und Fröschen am Teich, um 1650, (wikicommons.org)



Im (blätter-) Wald

Nein, ich habe keinen Bammel
Vor den Hasen; ihr Gerammel
Stört mich gar nicht, wenn ich ´s sehe.-
Aber wenn ich in mich gehe,
Will ich es bei Mensch nicht sehen.
Häschen, wer soll das verstehen?

Freitag, 15. Juni 2012

Sommerfrische


Bild: Adolf Chelius, Kuhherde bei Dachau, 1919, (wikicommons.org)

Sommerfrische

Zum Abendhimmel steigt der Rauch,
Wenn ich nach Ruhe dürste.
Die Nachbarn grillen Schweinebauch
Und zwei, drei Sorten Würste.

Die winzig kleine Nachtigall
Muss mich dann auch noch stören.
(Die Fledermaus hat Ultraschall,
Drum kann ich sie nicht hören.)

Wenn ich spät nachts dann mal verschnauf,
Und glaub, ich könnte ruhen,
Geht viel zu früh die Sonne auf,
Und es fängt an zu muhen.

Dienstag, 29. Mai 2012

Kein Ertrag


Bild: Albrecht Dürer, Alte mit Geldbeutel, 1507, (wikicommons.org)


Kein Ertrag

Sag, wie soll ich das verstehen,
Was nur ist denn geil an Geiz?
Diese Geilheit heut zu sehen
Find ich ohne jeden Reiz.

Einem Menschen etwas borgen,
Weil ich‘s hab und er es braucht,
Das macht sicher keine Sorgen,
(Wenn er dann nicht untertaucht).

Besser ist es da zu schenken,
Dass er tun kann, was er mag,
Und ich will ja nicht so denken,
Wie ein Banker - an Ertrag.

Denn in Wahrheit schenk ich gerne,
Wenn ich kann und wenn ich hab;
Trotzdem leuchten auch die Sterne
Über meinem Armengrab.

Montag, 28. Mai 2012

Ein neuer Hellenismus


Bild: Lysippos, Kopie einer verlorenen Bronzebüste des Sokrates, 1. Jahrhundert, römisch, (wikicommons.org)


Ein neuer Hellenismus
(Zum neuen Grass-Gedicht)

Irgendwo am Zwischenrande,
Weil er gar nicht anders kann,
Schreibt er von Europas Schande,
Dieser alte deutsche Mann.

Ist es komisch oder tragisch,
Dass ihn jetzt fast keiner hört,
Wenn er nahezu schon magisch
Jene bösen Kreise stört?

„Wachstum, Wachstum über alles!“
Klingt es ständig laut im Chor,
Und das Echo ihres Falles
Haben sie noch nicht im Ohr.

Denn die Macht liegt bei den Banken,
Und was soll da ein Gedicht;
Niemand weist sie in die Schranken,
Auch der Grass und andre nicht.

Aber Griechenland ist weise,
Es befreit sich ganz allein,
Und wird heimlich, still und leise
Auch Europas Rettung sein.

Dienstag, 22. Mai 2012

Grausamkeiten des Alltags


Bild: Georg Flegel, Pygmäenpapagei und Fliege, um 1600, (wikicommons.org)

Grausamkeiten des Alltags

Warte nur bis ich dich kriege,
Du verdammte Stubenfliege!
Grausam will ich dich erschlagen,
Denn ich kann es nicht ertragen,
Dieses blöde Rumgesumme.
Schau die Falter, das sind stumme,
Dafür aber hübsche Tiere.
Klatsch! Du Vieh, und jetzt krepiere.

Mittwoch, 16. Mai 2012

Sonntag, 29. April 2012

Denken an Petra


Bild: John Singer Sargent, Porträt der Rosina Ferrara, 1887, (wikicommons.org)

Denken an Petra


Als wir uns im Frühling trafen,

Alles schien so frisch und neu,

Wollt ich gerne mit ihr schlafen,

Aber, ach, ich war zu scheu.


Dann kam Sommer, Herbst und Winter,

Eine lange Zeit verging,

Und ich kam auch nicht dahinter,

Warum ich nur Grillen fing.


Jetzt sind wieder Frühlingszeiten,

Weil das Jahr es halt so will.

Ihr Gesicht wird mich begleiten;

Grade darum bin ich still.




Sonntag, 22. April 2012

Utopie des Lachens


Bild: William Hogarth, Die Krabbenverkäuferin, um 1745, (wikicommons.org)

Utopie des Lachens


Theoretisch bin ich weise,

Aber praktisch leider kaum;

Drum erkläre ich ganz leise

Meinen alten kleinen Traum.


Dass sich alle Menschen mögen,

Kommt darin auch nicht mehr vor,

Weil wir uns dann nur belögen,

Wie so mancher dumme Tor.


Aber dass die Menschen lachen,

Über andre, über sich,

Ließe sich doch wirklich machen,

Und das meine nicht nur ich.