Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Donnerstag, 18. September 2008

Zweimal - Im Zauberwald


Bild: Theodore Clement Steele, Bach im Wald, 1887, (wikicommons.org)

Zweimal - Im Zauberwald


Die Sonne tief, sie blendet oft,

Es lockt ein Farbenwald,

Der auf die letzten Strahlen hofft.

Die Nächte sind schon kalt.


Es ist nicht still, die Merle singt,

Das Bächlein plaudert leise.

Es ruft der Wald und ihm gelingt

Die wundersame Weise.


Die Schatten längern sich im Wind,

Es riecht schon herbstlich, alt.

Die Blüten die vergangen sind,

Noch mal vom Wald gemalt.


Herbst gebucht


Bild: Max Liebermann, Brannenburger Biergarten, 1893, (wikicommons.org)

Herbst gebucht


Ein altes Lied und immer neu,

Wie könnte ich bestreiten,

Dass ich mich auf die Farben freu’,

Die uns im Herbst begleiten.


Es kommt auch Nebel, Dunkelheit,

Der düstere November,

Wenn alles nach mehr Sonne schreit. –

Doch jetzt ist erst September.


Die alte Buche stellt sich taub

Und wirft die ersten Blätter

Auf meinen Weg. – Septemberlaub.

Bald kommen ernste Wetter.


Mittwoch, 17. September 2008

Berührt


Bild: Charles Warren Eaton, Mondaufgang im September, 1900, (wikicommons.org)

Berührt


Der Luft ist klar – septemberkühl,

Es ist schon lange Nacht. -

Was ist jetzt wahr, wenn mein Gefühl

So große Sprünge macht?


Das kühle Wasser dort am Teich,

Ich will es heut nicht spüren.

Die Sterne und der Mond sind bleich,

Die sollen mich berühren.


Dienstag, 16. September 2008

Geld-Marathon


Bild: Judith Leyster, Mann bietet einer Frau Geld an, 1631, (wikicommons.org)

Geld-Marathon


Der Marathonlauf

Um das meiste Geld,

Die größte Macht,

Den besten Platz,

Die schönste Frau,

Die modernste Gier

Ist nie zu Ende.


Ich laufe nicht mit.

Aber manchmal,

Manchmal sehe ich zu,

Wenn einer gewonnen hat.


Montag, 15. September 2008

Zum Teich hin!


Bild: Fjodor Alexandrowitsch Wassiljew, Teich bei Sonnenuntergang, 1871, (wikicommons.org)

Zum Teich hin!


Dort hinten ist der Teich,

Jetzt scheint er dir verborgen.

Du sagst es sei dir gleich

Und denkst an deine Sorgen.

Sieh doch des Abends Pracht!


Es ist dir oft zuviel

Den ersten Schritt zu gehen,

Und es ist auch kein Spiel

Dem Tag zu widerstehen.

Dort hinter kommt die Nacht.


Lass deine Fenster auf,

Du musst sie nicht verhängen.

Vergiss den Tageslauf,

Befrei dich von den Zwängen.

Der Mond im Teiche lacht.


Sonntag, 14. September 2008

Das Geheimnis der eigenen Welt (am Teich)


Bild: Ilja Jefimowitsch Repin, Sadko in der Unterwasserwelt, 1876, (zeno.org)

Das Geheimnis der eigenen Welt (am Teich)


Verwandle das Geheimnis nicht

In leere, hohle Worte.

Du fühlst ja, wie es schweigend spricht,

Lockt dich zu einer Pforte.


Die Tür in deine eigne Welt,

Sie steht dir immer offen.

Tritt ein und wenn es dir gefällt,

Dann darfst du bangend hoffen.


Nachtwind


Bild: Ilja Jefimowitsch Repin, Nachts im Mondlicht, 1896, (wikicommons.org)

Nachtwind


Es bettet sich der Wind zurecht,

Ich gebe zu, er bläst nicht schlecht. –

Was kümmert mich der Wind!

Die Nacht ist schon empfindlich kalt;

Sieh, wie der Mond die Bäume malt;

Schau wo die Sterne sind.


Es raunen mir die alten Weiden,

Du sollst den bösen Nachtwind meiden,

Der Teich ist aufgewühlt.

In mir ist alles offenbar,

Der Wind, die Nacht und die Gefahr,

Die hab ich auch gefühlt.


Samstag, 13. September 2008

Kleine Impression


Bild: John Everett Millais, Herbstlaub, 1856, (zeno.org)

Kleine Impression


Das Städtchen schwimmt im Blättermeer,

Und träumt dem Sommer hinterher,

Dabei ist ´s erst September.

Aus einem alten Grammophon

Ertönt die letzte Illusion,

Ich hör’: „I still remember“.


Vergebliche Reparatur


Bild: Chase William Merrit, Der blaue Kimono, 1888, (wikicommons.org)

Vergebliche Reparatur


Ach, Augenmaß!

Das Auge las

Die Höhe und die Breite.

Es war kein Spaß,

Denn ich vergaß

Die Tiefe an der Seite.


Jetzt ist das Sofa schief und krumm,

Und die Besucher leiden stumm,

Wenn sie sich darauf setzen.

Ich selber setzte mich ganz cool

Auf den geraden Küchenstuhl.

Ich bitt euch, nicht zu petzen.


Carl Michael Bellmann - Glimmande Nympf

Mit diesem Lied möchte ich allen Freunden dieses Blogs meinen schwedischen Lieblingslyriker vorstellen:


Carl Michael Bellmann – Glimmande Nympf

(Fredmans Epistel Nummer 72)


Glimmende Nymph, blitzende Augen,

schwebendes Bild auf Polstern und Daunen.

Liebende Stärke,

komm, hilf mir beim Werke,

Gott des Schlafes, Morpheus, komm!

Kerze schmolz und sacht verglomm,

Luke und Tür versperrt bis zum Morgen,

und deine Stirn unterm Häubchen verborgen,

und Norström schon zurück,

dort hängt die Zopfperück.

Schlaf, schlafe ein bei meiner Musik!