Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Sonntag, 25. August 2013

Lied der Elite


Allegorie einer Flämischen Schule, um 1604

















Lied der Elite

Wo wir sind, da ist keiner mehr,
Denn wir sind die Elite.
Wir machen `s allen andern schwer
Und kennen nur Profite.

Die graue Masse sehn wir nicht,
Denn die ist ja im Schatten;
Nur wir, wir sind im Rampenlicht,
Weil wir uns das gestatten.

Was kümmert uns das Land, der Staat,
Die sind ja unsre Beute. –
Wir fürchten nur das Attentat,
Die Wut der kleinen Leute.

Drum halten wir die Armen still
Mit Glotze, Brot und Spielen,
Und dass ein jeder reich sein will
Gehört zu unsern Zielen.

So richten wir die Welt zu Grund,
Im Namen der Profite;
Wir bleiben reich, schön und gesund,
Denn wir sind die Elite.


Montag, 12. August 2013

Eine Antwort


Guido Reni, Matthäus und der Engel, um 1640

























Eine Antwort

Sicher doch! Ich schreibe noch
Manchmal ein Gedicht.
Das fällt mir nicht ins Sommerloch
Und auch nicht ins Gewicht.

Ein leiser Ton genügt mir schon,
Geschweige denn ein Satz,
Als Zeichen für die Illusion;
Für mich ist das ein Schatz.

Ich finde kaum den ganzen Traum
In einem kurzen Text,
Und wenn, dann ist mir Zeit und Raum
Ja sowieso verhext.

Samstag, 20. Juli 2013

Ungebetener Ratschlag


Francisco Jose de Goya y Lucientes, Mönch spricht zu einer alten Frau, um 1825
























Ungebetener Ratschlag

Wenn du mal nichts zu sagen weißt,
Ja dann genieß die Stille,
Und überrede deinen Geist,
Das sei jetzt grad dein Wille.

Du bleibst dabei so herrlich stumm;
Man hält dich für gescheiter,
Und niemand denkt, du wärest dumm,
Du selber bleibst ganz heiter.

Dienstag, 9. Juli 2013

Erinnerung an E.



 
Jacob van Loo, Melancholie, um 1650

Erinnerung an E.

Heute wäre ihr Geburtstag
Gewesen. –

Der Tag nährt sich
Von Wehmut,
Der bittersüßen Schwester
Des Glücks.

Oder ist die
Erinnerung
Das eigentliche Glück?

Samstag, 29. Juni 2013

Carpe diem!



 
Bild: Gaston Bussiere, Tanz der Salome, um 1900






















Carpe diem!

Sieh dort, der kleine Schmetterling,
Die flatterhafte Seele;
Er ist Natur, ein wildes Ding,
Und hört nicht auf Befehle.

Er pflückt sich frei den ganzen Tag
Und weiß nichts von der Puppe,
Die er mal war. – Was er vermag
Ist ihm wahrscheinlich schnuppe.

Ihm ist genug, dass es ihn gibt,
Auch er bestäubt die Pflanzen,
Und weil er diese Leben liebt
Nutzt er den Tag zum Tanzen.