Tagebuch - nicht nur meiner literarischen Arbeiten

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Dienstag, 7. Oktober 2008

Herbstmorgen


Bild: Grigorij Grigorjewitsch Mjassojedow, Herbstmorgen, um 1900, (wikicommons.org)

Herbstmorgen


Ein goldener Morgen,

Nicht lange. -

Dann

Dämmerung

Am frühen Tag.


Der Bettler

Mit den Herbsthaaren

Sucht wieder leere Flaschen.


Ist es

Schon

So spät geworden?


Vergesst nicht

Die Uhr umzustellen,

Wenn dafür Zeit ist.


Montag, 6. Oktober 2008

Reflektion


Bild: Francis John Wyburd, Reflektion, 1871, (wikicommons.org)

Reflektion


Es ist eine Illusion,

Die der Dichter immer hegt,

Dass durch gute Reflektion

Jemand seine Werke pflegt.


Weit ins Leere geht der Blick. -

Geht jetzt der Gedankengang

Auf das eigene Geschick,

Oder einfach so entlang?


Es genügt doch, dass die Zeilen

Jemand einfach nur genießt.

Lass ihn doch bei sich verweilen,

Wichtig ist nur, dass er liest.


Ophelia am Teich


Bild: John William Waterhouse, Ophelia, 1894, (wikicommons.org)

Ophelia am Teich

(statt einer Kommentarantwort für Syntaxia)


Ihr Spiegelbild scheint immer bleich,

Wenn ich ´s im Wasser sehe.

Die Elfenworte aus dem Teich,

Die ich so gut verstehe


Verschmelzen mit dem Abendschein

Zu einer kleinen Melodie.

Wie könnte sie vergessen sein,

Die Sehnsucht nach der Harmonie!


Ein Abendrot malt ihr Gesicht

In viel zu warmen Farben. -

Und ich vergess die Worte nicht,

Die sonst im Licht verdarben.


Sonntag, 5. Oktober 2008

Geschenke am Teich


Bild: Peder Mork Mönsted, Boot an einem ruhigen Gewässer, 1919, (wikicommons.org)

Geschenke am Teich


Wieder einmal hör ich zu,

Wenn die Wälder leise singen.

Jenes alte ich und du

Soll in meinen Liedern klingen.


So hat mir der Teich gewispert,

Und wie gerne hör ich hin,

Wenn er von den Elfen flüstert,

Die an ihm vorüber ziehn.


Schön ist es dem Mond zu lauschen,

Wie er Märchen mir erzählt.

Warum sollte ich da tauschen?

Es gibt wenig was mir fehlt.


Samstag, 4. Oktober 2008

Gläserne Türen


Bild: Die Galerie Luise am Kröpcke in Hannover, (wikicommons.org)

Gläserne Türen


In den großen Häusern

Mit den gläsernen Türen

Wohnt niemand, -

Es sind die

Bestbewachten Häuser

Der Stadt.


Nachts beschützen

Schwarz gekleidete Männer

Mit scharfen Hunden

Den Überfluss,

Der drinnen wartet.


Wenn ich,

Verstohlen bei Tag,

Diese Häuser betrete,

Verberge ich sorgsam

Den Mangel in meinen Taschen.


Freitag, 3. Oktober 2008

Entdeckungen: Angelica von Hörmann – Um meine Lieder ist mir bang


Bild: Alte Fotographie von Angelica Hörmann
(Leider ist es mir nicht gelungen eine besseres Bild von ihr zu finden.)

Angelica von Hörmann – Um meine Lieder ist mir bang

(Angelica von Hörmann ist die erste bekannte Dichterin aus Tirol.

Sie lebte von 1843 bis 1921.)


Um meine Lieder ist mir bang,

Dass sie verwelken ohne Liebe,

Wie ohne Licht im Klostergang

Die krankhaft bleichen Blumentriebe;


Dass sie voll Sehnsucht folgen dir,

Auswand'rer nach erträumtem Lande,

Bis nach der Fahrt, fruchtlos und irr,

Das lecke Fahrzeug liegt am Sande.


Schlemmerger(d)icht


Bild: Dagmar von Dänemark, Stillleben, 1868, (wikicommons.org)

Schlemmerger(d)icht


Warum muss ich´s denn verstehen,

Jedes einzelne Gericht?

Auf der Zunge soll´s zergehen!

Mehr verlang ich meistens nicht.


Aber wenn ich es dann mag,

Will ich alles davon wissen.

Und damit ich es vertrag’,

Kost’ ich es in kleinen Bissen.


So ist´s mit Gedichten auch.

Wenn´s mich anspricht, mir gefällt,

Is(s)t die Seele wie der Bauch.

Was gibt´s Schön’res auf der Welt!


Donnerstag, 2. Oktober 2008

Oktoberteich


Bild: John Everett Millais, Chill October, 1870, (wikicommons.org)

Oktoberteich


Die Wolken jagen übers Land,

Der Nebel wird vertrieben.

Es scheint mir alles unbekannt.

Mein Teich, er ist geblieben.


Er legt sich seinen Herbst zueigen,

Geheimnisvoll wie nie,

Und will mir neue Bilder zeigen,

Voll kühler Harmonie.


Mittwoch, 1. Oktober 2008

Der Name des Todes


Bild: John Everett Millais, Ophelia (als Wasserleiche), 1851 - 52, (zeno.org)

Der Name des Todes


Ihr nennt mich oft Gevatter Tod,

Als wären wir verwandt,

Doch wenn ich komm ist euch die Not

In das Gesicht gebrannt.


Der große Schnitter heiß’ ich oft,

Wenn ihr euch richtig grämt.

Ihr wisst, dass ihr vergeblich hofft,

Und euch deswegen schämt.


Ihr nennt mich Schlafes Bruder auch; -

Er ist nicht mein Verwandter.

Und weil ich keine Helfer brauch,

Bin ich auch kein Bekannter.


Ich bin so einfach wie das Licht,

So schwierig zu verstehen.

Ein bisschen von mir gibt es nicht,

Ihr könnt mich nicht umgehen.


Die blinde Liebe


Bild: René Francois Xavier Prinet, Die Kreutzer-Sonate, 1901, (wikicommons.org)

Der blinde Liebe

(Nachempfindung eines anonymen Gedichtes aus dem Urdu)


Der blinde Liebe sendet wieder ihre Pfeile.

Sie streifte mich, und hat mich fast getroffen.

Wenn ich mal nicht mehr rastlos durch mein Leben eile,

Darf ich – vielleicht - auf einen tiefen Treffer hoffen.