Mittwoch, 23. Oktober 2013

Rettung



 
Ferdinand Hodler, Der Leser, um 1885
Rettung

Wenn mich die Trauer wieder trifft,
Oft weiß ich nicht, weswegen,
Dann trink ich dieses süße Gift,
Und mache nichts dagegen.

Es treibt der Tag mich vor sich hin,
Und ich genieß die Schmerzen.
In gar nichts sehe ich viel Sinn,
Es blutet aus dem Herzen.

Ich schau den Wolken hinterher,
Bin nur noch in Gedanken.
Das ganze Dasein scheint mir schwer,
Voll Mauern, Grenzen, Schranken.

Dann flüchte ich in ein Gedicht,
Das irgendwer geschrieben,
Und ist es schön und klar und schlicht,
Dann bin ich heil geblieben.

1 Kommentar:

  1. Genau so ist es manchmal, lieber Paul.

    Sauber im Reim, klar in der Struktur, und zauberhaft in den erlösenden nach den erst verzweifelt und dann suchend klingenden Worten.

    Gedichte als Medizin... :-)

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