Samstag, 30. Oktober 2010

Zum heutigen Geburtstag von Georg Heym


Bild: Fotographie von Georg Heym aus dem Jahre 1900

Georg Heym - Die Stadt


(Reinschrift, in Entwurf übergehend)


Sehr weit ist diese Nacht. Und Wolkenschein

Zerreißet vor des Mondes Untergang.

Und tausend Fenster stehn die Nacht entlang

Und blinzeln mit den Lidern, rot und klein.


Wie Aderwerk gehn Straßen durch die Stadt,

Unzählig Menschen schwemmen aus und ein.

Und ewig stumpfer Ton von stumpfem Sein

Eintönig kommt heraus in Stille matt.


Gebären, Tod, gewirktes Einerlei,

Lallen der Wehen, langer Sterbeschrei,

Im blinden Wechsel geht es dumpf vorbei.


Und Schein und Feuer, Fackeln rot und Brand,

Die drohn im Weiten mit gezückter Hand

Und scheinen hoch von dunkler Wolkenwand.


(Dieses Gedicht entstand 1911 und ist erstmals 1964,

52 Jahre nach seinem Tod, im Verlag Heinrich Ellermann erschienen.)


Sämtliche Gedichte, auch die unveröffentlichten,

sind nachzulesen auf:

-bitte anklicken-



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