Donnerstag, 27. Mai 2010

Liebesbrief an unbekannt


Bild: Emile Levy, Der Liebesbrief, 1872, (wikicommons.org)

Liebesbrief an unbekannt


Gestern hab ich wieder leise

Diesen kleinen Hauch gespürt,

Der auf wundersame Weise

Meine Seele sanft berührt.


Ach, ich will es nicht ergründen,

Was mich da so heiter macht,

Und ich mag es wie die Sünden

Einer lauen Frühlingsnacht.


Heute schon ist alles üblich,

So behäbig und normal,

Wie das Wetter, fast betrüblich,

Auf der Zunge etwas schal.


Aber eine wilden Ranke

Ist so kräftig, dass sie bleibt,

Jener Hauch – ich sage danke, -

Dem man Liebesbriefe schreibt.



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