Freitag, 19. September 2008

Hutlos


Bild: Thoraschrein der Synagogengemeinde in Springe bis 1938

Hutlos


Es kommt schon vor,

Dass ich eine Mütze aufsetze,

Wenn es richtig kalt ist.


Noch nie

Habe ich einen Hut gehabt.

So muss ich

Vor nichts und niemandem

Den Hut ziehen.


Ehrfurcht ist anders.


Wenn ich den

Jüdischen Friedhof besuche,

Leihe ich mir eine Kippa.


3 Kommentare:

  1. Lieber Paul,


    Das ist ein sehr interessantes Gedicht, das mit einer Schlichtheit daherkommt, die lässig scheint.
    Aber was sagst du da alles aus.
    Dieses Gedicht ist ein Bekenntnis, und doch ist es noch viel mehr. Es beinhaltet Geschichte.
    Mit dem Wort "Ehrfurcht", diesem wie zufällig gefundenen Begriff, der sich aus der Gegenüberstellung von Mütze und Hut (den Du nie gebraucht hast - wozu auch!)ergibt und sich da plötzlich wie ein Angel/Drehpunkt verhält, gehst Du auf die andere Ebene, so ganz lakonisch...
    ...und beginnst zu erzählen und das Gedicht weitet sich...


    Ich finde, es ist ein ganz großartiges Gedicht.

    Gabriele

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  2. Lieber Paul,

    Daumenhoch für dieses Werk!

    Herzlich,
    ELsa

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  3. Kommentare die mich gerade bei diesem Gedicht besonders freuen. Danke schön.

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