Freitag, 11. Juni 2010

Drei Speichen sind kein Rad


Bild: Georges Croegaert, Auf der Suche nach Inspiration, um 1900, (wikicommons.org)

Drei Speichen sind kein Rad


Ihr ganzer Stolz ist die Monstranz,

Sie wissen kaum von Toleranz,

Sind Falken, keine Tauben.

Wie Fürsten residieren sie,

Trotz Luther und Democracy,

Das nennen sie dann Glauben.


Wir haben ja, so glauben sie,

Als alte Kirchenhierarchie,

Den einzig wahren Pfad.

So manche Christen leiden stumm,

Noch immer biegt man Menschen krumm,

Wie Hölzer einst fürs Rad.


Doch langsam bricht das Rad entzwei,

Durch ihre miese Heuchelei

Verliert es viele Speichen.

Ein ganzes Rad, sagt der Verstand,

Braucht auch das Volk, den vierten Stand,

Nicht nur geschmückte Leichen.


Wenn Kirche für die Armen wär,

Und nicht nur so von ungefähr,

Wär ´s mehr als nur ´ne Schau.

Ja, diese Kirche war nie fromm,

Wenn sie im Sumpf des Staates schwomm,

Das weiß sie ganz genau.


Die letzten Speichen biegen sich,

Es ächzt das Rad schon jämmerlich

Im allerhöchsten Grad.

Wer ´s wissen möchte weiß es schon,

Und macht sich keine Illusion:

Drei Speichen sind kein Rad.



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