Freitag, 27. Februar 2009

Beim Lesen von Martin Opitz



siehe Digitalisat der Herzog-August-Bibliothek, Wolfenbüttel

Beim Lesen von Martin Opitz


Büchlein, Büchlein in der Hand,

Ich versteh nicht, was ich fand.

Ist es denn total verkehrt,

Dass die Welt sich nicht drum schert,

Ob es jene gibt und solche; -

Manche Echsen sind auch Molche.


Mir ist es recht einerlei,

Ob bei der Poeterei

Ich ein metrisches Gesetz

Nicht befolge und verletz’.

Es gibt jene und auch solche,

Manche Dichter sind halt Strolche.


2 Kommentare:

  1. lieber paul, ich glaube nicht,
    was dein verslein mir hier spricht,
    denn dein streben, das geht schon
    täglich hin nach perfektion.

    lass die opitze doch schreiben,
    ehrenwert ist ihr begehren,
    denn sie schaffen einen grund.
    davon kann ein lehrer lehren,
    schüler lernen und vermehren
    versmaßwissen bis zur stund.

    in den letzten hundert jahren
    haben die poeten hungrig wild
    alle fenster aufgerissen,
    (dass frische in die ritzen quillt)
    alle schleusen weit geöffnet,
    (mit dada - schwitters sich verdreht)
    abgeschnitten alte zöpfe,
    (dass neues (anderes) entsteht)
    ausgetrocknet viele bächlein,
    (...)
    und begradigt manchen strom,
    (...)
    brücken über sanfte auen,
    schnell und grad...
    wen stört das schon?

    lese ich heut ein gedicht,
    gefällt es mir, oder auch nicht.
    viele werke mag ich leiden,
    obgleich sie keine gedichte sind,
    viele kommen als vers daher,
    doch sie zu lieben fällt mir schwer...

    usw.usw.usw.usw.

    Gabriele

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  2. Liebe Gabriele,

    mein Verschen ist ja auch nicht so ernst gemeint, wie Du sehr gut bemerkt hast. Nur, wenn ich heute Martin Opitz lese, kommt mir das Ganze wir ein Versuch vor, die Bürokratie in der "Poeterey" einzuführen. Richtig erholsam ist es dann im Anschluss an solch schwere Brocken z.B. Ernst Jandl oder Oskar Pastior zu lesen.
    Vielen Dank für Deine Zeilen und liebe Grüße

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